Nov 12

zei-tungDer Medienmogul Rupert Murdoch liess in den letzten Tagen verlauten, er wolle seine Nachrichtenseiten aus dem Google Index entfernen lassen. Zu seinem Imperium gehören zum Beispiel das „Wall Street Journal“, das Boulevardblatt „Sun“ sowie der Fernsehsender „Fox“.

Aktuell bekommen die Newsseiten ihre Besucher zu einem grossen Teil von Google zugeführt. In unseren Breitengraden macht dies zwischen 30 bis 50 Prozent aus. Im Beispiel des „Wall Street Journal“ sind es ca. ein Viertel der Besucher, die von Google vermittelt werden. Rupert Murdoch ist schon seit längerem der Meinung, dass Google seine Inhalte zu Unrecht im Internet verbreitet. In einem Interview auf dem eigenen Sender „Sky News“ verkündete er:  „Wir haben dann vielleicht weniger Leute, die auf unsere Seite kommen, die zahlen aber dafür.“

Murdochs Ideen versetzen die Webgemeinde natürlich nicht gerade in Jubelrufe. Im Zeitalter, wo News ihre Leser über Links in Blogs, auf Facebook oder über Twitter finden, stellt sich natürlich die Frage, ob sich da die Presselandschaft ihre eigene Grube gräbt. Klar ist es so, dass eine Zeitung, die ihre Inhalte auf dem Web frei verfügbar macht an Abonnenten verlieren wird. Aber könnte es auf der anderen Seite nicht auch sein, dass sich mit der freien Verfügbarkeit des Newsangebotes andere Einnahmequellen erschliessen lassen, die erst noch rentabler sind?

Die Zukunft wird zeigen, mit welchen Modellen die Medien Geld verdienen werden. Wie seht ihr die Zukunft? Schiesst sich Murdoch ins eigene Knie? In welche Richtung wird sich der Newsmarkt bewegen? Habt ihr noch andere, interessante Ideen?

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Apr 16

maz-diplomfeierOld School Journalisten scheitern an ihrem Ego – nicht an neuen Inhaltsformen. Ihre Überforderung zu verstehen fällt mir wesentlich einfacher als verzweifelte Versuche, neue Medienformen zu diskreditieren.

Das Problem fängt schon beim “Printler” an
Sobald sich ein angehender Journi als “Printler” sieht, ist ein innerer Zug abgefahren. Der “Printler” bindet sich an die Output-Form “Print” und versteht dann nicht, weshalb seine Ausbildung Kurse wie “Multimedia” beinhalten soll. Dabei wäre seine zu erlernende Kunst das Schreiben, nicht das Printen. Ein Schreibjournalist hätte im Gegensatz zum Printjourni kein Problem damit, für andere Formen von Medien zu kreieren als für Papier.

Form und Inhalt nicht verwechseln
An der Diplomfeier des MAZ Luzern (Foto) kritisierte Patrick Müller (Chefredaktor des Sonntag) zu Recht, dass Multimedia-Kurse am MAZ obligatorisch gemacht werden mussten, weil sie sonst nicht besucht würden. Seine spätere Aussage “Blogs sind nicht Journalismus” erstaunte mich dann – hier verwechselte er Form und Inhalt.

Natürlich haben viele Blogs keinen journalistischen Anspruch. Dem gegenüber stehen aber äusserst schlecht recherchierte Artikel in klassischen Medien – oft in der Rubrik “Digital” (oder fällt es mir dort nur eher auf?) – wie der heutige Artikel im Tagesanzeiger, der behauptet, soziale Netzwerke würden die menschliche Moral auslöschen, könnten Krebs verursachen und würden regelmässig Kinder ins All entführen.

Online ist nicht immer gehetzter
An der erwähnten Diplomfeier kam auch die Äusserung: “im flüchtigen Medium Internet wird offenbar flüchtig gearbeitet”. Dabei vergessen wurden die zahlreichen Fachblogs und Websites, die viel seltener Artikel veröffentlichen als eine Tageszeitung – dafür mit Hintergrundinformationen und begleitenden Quellenlinks und Medien, die eine Vertiefung des Themas unterstützen. Das Publikum fordert zu Recht mehr als Papier bieten kann.

Quintessenz: Wakey, wakey – rise and shine!
Printjournis, werdet Schreibjournalisten. Lotet die neuen Möglichkeiten des Internets mit Offenheit aus und lasst diese panischen Verwechslungen von Form und Inhalt bleiben. Ihr stoppt damit nichts. Die Medienwelt ist anders geworden, es stehen Katzenblogs neben Hintergrundblogs, Newsportalen und den bösen, sozialen Netzwerken. Ist jetzt halt so. Ein spannendes Gemisch, in dem sauber recherchierende Journalisten durchaus einen wichtigen Platz einnehmen könnten – wenn sie das nur endlich auch wollen würden.

Ich bin mit einer MAZ-Absolventin Fachrichtung TV verheiratet, die am MAZ (ausser in den oberflächlichen Multimedia-Kursen) viel Gutes lernte und die Ausbildung weiterempfiehlt. Diesen Artikel beziehe ich gezielt aufs Thema “Journis und die neuen Medien”. Wie erlebt ihr das? Habt ihr weitere Beispiele? Gut bewegt sich Blick am Abend in Twitter.

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