Jun 16

Fast Moving Comsumer Goods – also all die Produkte, die wir haben müssen, weil sie zum normalen Tagesablauf dazu gehören, sind eine der härtesten Marketing- und Werbeherausforderungen die es gibt. Und es hat seine ganz eigenen Mechanismen. Sind diese auf das Web, den Bereich Social Media und die neue Form der Verbraucherkommunikation übertragbar?

Das grosse Problem: Produkte die wir haben müssen, wie Seife, Milch, Waschmittel, Wasser, Zahnpasta, stehen mit unglaublich vielen Marken in Konkurrenz. Wir haben keine Zeit uns lange über die Kaufentscheidung Gedanken zu machen, das Zeug muss in den Einkaufswagen. Man steht vor dem Regal. Welches Waschmittel soll ich kaufen. Verpackungsgrössen, Wirkversprechen, Produkterfahung was es ungefähr leistet im Vergleich mit der Erwartung, was es leisten soll, sogar der Preis – alles ist so nah beieinander, dass es ein einziger, aus Marketingsicht grauenhafter Sumpf ist.

Im Regal gibt es einen Ansatz. Denn eine Entscheidung zu treffen ist nicht leicht, einen Anreiz bei Verbrauchsprodukten in dieser Preisklasse zu bieten ist extrem schwer. Was es aus psychologischer Sicht braucht, ist eine winzige rechtfertigung für die Entscheidung und den Kauf. Das kleine extra Päckchen vom neuen “Bergfrühlingsduft”, die 20% Extra! in der Flasche, die nun noch bessere Weisskraft – obwohl jedem klar ist, mittlerweile müssten weisse Hemden im Dunkeln leuchten, wäre das versprechen wahr. Aber man hat einfach einen Grund warum man nun zu diesem und nicht zum anderen gegriffen hat.

Doch wie macht man das im Internet? Erst einmal werden Fast Moving Consumer Goods so gut wie gar nicht online eingekauft. Und zweitens, ich erwische den Konsumenten bei der Produktauswahl immer mit viel mehr Zeit, in seiner Wohlfühlatmosphäre, mit Vergleichsportalen die in übersichtlichen Charts alle Vor-und Nachteile auflisten. Deren Unterschiede dennoch so minimal sind, dass man sich den Vergleich auch schenken könnte.

Also habe ich mal gesucht. Wie versucht es eine sehr erfolgreiche Marke wie Persil auf Facebook? Eigentlich gar nicht. Eine Persil Seite aus Bulgarien strampelt sich ab und liefert tatsächlich eine Menge schönen Inhalt. 561 Fans ohne jegliche Beteiligung.
Eine deutsche, von Usern generierte Persil Seite ist mit ein paar Einträgen alter, aber erfolgreicher Persil Claims befüllt, 140 Fans, vom Unternehmen selbst nicht beachtet.

Daher frage ich mal ganz frech Euch alle: Sind FMCG einfach nicht wirklich zu vermarkten und optimieren im Social Media Universum und den Gesetzten des Web 2.0?
Comments please!

Share |

\\ tags: , , , ,
2 Kommentare »

Apr 29

Copyright NIN.COM

Wie kein anderer beweist Trent Reznor, Mastermind hinter Nine Inch Nails, dass man auch als Musiker auch in Zeiten des kostenlosen Filesharings Geld verdienen kann. Und wie man die Mechanismen des Web 2.0 als perfekte Marketing Plattform nutzt. Ein Musterbeispiel.

Er war der erste Rockstar, der einen Webbyaward, den Oscar des Internets verliehen bekam. 2008 war er ganz vorne mit dabei und veröffentlichte ein Album online zum kostenlosen Download. Binnen sechs Wochen würde “The Slip” 1,4 Millionen mal heruntergeladen. Doch wie verdient der gute Mann Geld? Und deckt die Kosten für den online Service?
Nun, Reznor ist zwar kein Digital Native, aber ein Webfreak und weiss wie man die digitale Welt nutzt. “Mir ist es lieber, wenn zehn Millionen mein Album umsonst herunterladen als 500,000 das Album für 15 Dollar kaufen. Ich will, dass so viele Leute wie möglich meine Musik hören”. Daher gab es eine Limited Edition von “The Slip” als CD, 250,000 Stück, nummeriert und für 10 Dollar zu kaufen. Da er das Album komplett selbst im eigenen Studio innerhalb von drei Wochen produziert hatte, waren 2,5 Mio Dollar genug an CD Verkäufen.
Damit er für die Kostenlosen Donwloads nicht noch draufzahlen muss für Server und Traffic, nutzt er Filesharing Netzwerke, “…eine revolutionäre Vertreibsart, die man nutzen statt bekämpfen sollte.”.

Doch beim Verteilen der kostenlosen Musik hört Reznor nicht auf. Er will das Internet so bedienen, wie es die Nutzer wollen. Seine Website ist nicht eine Promoaktion für Selbstdarsteller, sondern ein ausgewachsenes Social Network. In Foren können sich Fans aus aller Welt austauschen, das eigene Profil lässt sich mit allen erdenklichen anderen Networks und Diensten verbinden, jeder ist herzlich eingeladen seine Bilder und Videos zu NIN hochzuladen, um einen lückenlose Dokumentaion der Band seit 1992 zusammenzufügen.

Reicht das? Trent Reznor noch lange nicht. Auf der Seite können eine ganze Reihe von Songs als Rohmaterial heruntergeladen werden zum Remixen – und jeder kann seinen Remix auch wieder zurückgeben in die Community. Und für Unterwegs, für die immer mehr Mobile Internet nutzende Generation hat NIN auch schon was parat. Eine App für iPhone und iPad, über die man News, Bilder, Videos, Wallpaper, usw bekommt. Und man kann über Geo Location auch sehen wo es in meiner direkten Umgebung Nine Inch Nails Fans gibt, mit Ihnen chatten und gleich für ein reales Treffen verabreden.

Als ich 1992 das erste Album “Pretty Hate Machine” hörte, war mir klar, dass dort ein Genie am Werk ist. Das der Mann aber so viel verstanden hat konnte ich nicht ahnen. Ganz im Gegensatz zur Musikindustrie. Reznor selbst sagt: “Die Plattenfirmen haben keine Ahnung wie das Internet funktioniert und wie es genutzt wird. Sie können und wollen nicht verstehen, dass Musik heute kostenlos ist. Ob man will oder nicht, die Ära der CD ist Vorbei. Statt Alternativen zu entwickeln, setzen sie die Preise für Tonträger absurd hoch und versuchen, die Treue eingeschworener Fans auszunutzen.”
“Dank des Internets kann man heute alles alleine machen. Die Produktion, das Marketing, den Vertrieb. Wer braucht da noch Plattenfirmen?”

Danke Trent, Du sprichst mir aus der Seele.
Gerne postet weitere Beispiele von Künstlern, die es wirklich geschnallt haben.

Share |

\\ tags: , , ,
1 Kommentar »

Dez 16

ripDas Internet wächst schneller als Shanghai, bringt uns ungeahnte Fortschritte und zeigt auch immer wieder seine Tücken. Glücklicherweise schaffen diese mitunter auch neue Dienstleistungzweige und damit Arbeitsplätze – selbst in grössten Krisenzeiten. In diesem Beispiel sogar für Kunden die nicht mehr in den Genuss der Services kommen.

Oft wird gerätselt wieviel der bei Social Networks registrierten User auch aktiv sind. Mit diesen Zahlen gehen die Betreiber nicht gerne an die Öffentlichkeit, weil die Userzahlen Garanten für Werbebuchungen sind. Eine Frage die mittlerweile die Runde macht ist, wieviele der regisrierten Nutzer leben eigentlich noch? Denn im Falle des Ablebens kann man sein Profil nicht mehr löschen, es sei denn man hat seine Zugangsdaten für die Hinterbliebenen irgendwo zugänglich abgelegt.

So kann es sein, dass man zwar im realen Leben “offline” gegangen ist, post mortem aber immer noch Energy Packs von Mafia Wars bekommt (die leider niemanden zurück bringen), anderen bei Farmville aushilft und neuen Usern als Freund vorgeschlagen wird. Und sollte man niemandem seine Zugansdaten gegeben haben, kann es durchaus ein Kampf mit dem Betreiber werden, bis die Hinterbliebenen das Profil des schmerzlich Vermissten löschen lassen können.
Um diesem Problem frühzeitig entgegen zu Wirken, haben ein paar findige Schweden die digitale Nachlassverwaltung mywebwill.com gestartet. Nach dem Ableben werden Emails an Freunde und Verwandte versendet, Profile gelöscht, Newsletter abbestellt und das digitale Leben in den offline Modus gestellt.

ableben

Ich warte schon gespannt darauf, wann die ersten Polemiker schreien, es sei abstruse Geldmacherei mit dem Leid der Menschen. Das halte ich allerdings für totalen Unsinn, denn der Notar, der einen “realen” Nachlass regelt wird ja auch nicht beschimpft für seine Arbeit. Einer muss den Job schliesslich machen.

Wie findet Ihr diesen Service des digitalen letzten Willens? Makaber oder einfach eine konsequente Zeiterscheinung unseres Lebens im Web 2.0?

Share |

\\ tags: , , ,
10 Kommentare »

Switch to our mobile site