Jan 08

hatocafeJapans Ministerpräsident Yukio Hatoyama bloggt und twittert seit Anfang dieses Jahres. Er ist nicht der erste Politiker, der das tut. Das Besondere an Yukio Hatoyamas Auftritt ist eine Real-World-Komponente.

Der erste Tweet von Japans Premier klingt noch ein bisschen steif. Er wünscht einfach seinem Volk alles Gute zum neuen Jahr. Aber Hatoyama hat nicht nur seinen ersten Tweet abgesetzt, sondern auch schon gebloggt. Dabei geht er sogar noch einen Schritt weiter als sein Vorbild, US-Präsident Barack Obama: Er holt seinen Blog Hatocafe ins reale Leben.

Wem das Internet zu digital ist, der soll irgendwann in naher Zukunft ein regelmässig geöffnetes, reales Hatocafe im Kantei, dem Sitz des Ministerpräsidenten, besuchen können – Plausch mit dem Chef und Hatocafe-Tasse inklusive.

Im ersten Eintrag auf dem Hatocafe-Blog erklärt der Minister seine Motive. Er starte diesen Blog, um die Distanz zwischen Volk und Politik zu verringern und gemeinsam das Land zu verändern. Dabei stellt er sich folgende Arbeitsteilung zwischen den verschiedenen Internet-Kanälen vor: Während seine Politik in einem Mail-Magazin dargestellt wird, will er im Blog Dinge aus seinem Umfeld berichten. Für Twitter sind Eilnachrichten mit Links, zum Beispiel zu seinen Reden, und persönliche Bemerkungen über sein Befinden bestimmt.

Aber wo experimentiert wird, wird auch kritisiert. Der Oppositionspolitiker Koichi Kato ist der Meinung, dass ein Ministerpräsident Bessere zu tun haben müsse als zu twittern und zu bloggen. Diese Kritik wird jedoch wohl verpuffen. Hatoyama hat richtig erkannt, dass er alle Informationskanäle nutzen sollte, um seine Botschaft möglichst weit zu verbreiten. Gerade viele junge Japaner lesen keine Zeitung mehr, sondern surfen nur noch im Web oder am Handy.

Zudem wir der Premier das Regieren schon nicht vergessen. Ohne konkrete politische Erfolge droht ihm nämlich das Schicksal vieler Vorgänger, die bis auf ein paar Ausnahmen bereits nach einem Jahr wieder abgelöst wurden. Er hat aber etwas erkannt, was noch in vielen Köpfen einen Platz finden muss: Social Media – da muss man mitmachen. Aber online präsent zu sein, reicht nicht aus. Man muss rausgehen und die Leute treffen. Web 2.0 ist vorbei und Web 3.0 findet wieder am Holztisch statt. Mit echten Menschen.

Der Premier wird also sicher nicht websüchtig. Er will nämlich nur einmal täglich twittern und einmal die Woche bloggen. Ausserdem nimmt er das mit den Ruhezeiten sehr genau. Schon letzten Sonntag hat er eine Twitterpause eingelegt.

Ob das genügt? Oder macht er es so gerade richtig?

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Mai 12

Tim Berners Lee - Erfinder des Internets

Tim Berners Lee - Erfinder des WWW

Das Schlagwort Web 3.0 kommt dem geneigten Internetsurfer täglich vor Augen und mit diesem Wort erleben Begriffe wie Semantik, Ontologie und AI (artificial intelligence = künstliche Intelligenz) einen massive Aufschwung. Doch die wenigsten wissen worum es wirklich geht, und warum sie dauernd mit diesen wissenschaftlichen Themen, die so gar nicht ins angenehm soziale Netzleben passen wollen bombardiert werden.

Teil 1 von 2

Wie so oft, wenn viel über etwas geredet wird, dann muss es etwas ganz grosses sein. Was genau wissen dann die wenigsten. String Theorie ist so ein Beispiel, irgendwas mit Weltformel die sie jetzt gefunden haben, so kleine zappelnde Fäden aus denen alles besteht. So in etwa – und das es eine unbeweisbare Theorie ist, vergessen die Leute auch schnell.

Das liegt daran, dass Wissenschaftler oft grosse Probleme haben uns Normalen zu erklären, was sie tun und denken (vgl. den verzweifelten Versuch “Schroedingers Katze”). Da ich kein Wissenschaftler bin, versuche ich es hier mal auf eine verständlichere Weise zu erklären.

Grundlage und Ist-Zustand des WWW, Web 1.0 und Web 2.0
Tim Berners Lee sagte, das WWW aufzusetzen sei einfach gewesen, denn die Technologien wie TCP/IP waren alle schon da, es brauchte noch die Seitenbeschreibungssprache HTML und damit auch die Möglichkeit der Verlinkung zwischen Seiten. Damit das WWW ein Ort würde, an dem sich Menschen treffen, austauschen und Wissen weitergeben können. Wenn man das Web heute betrachtet, kann man sagen, seine Vision hat sich verwirklicht. Ein Problem, dass Berners Lee schon sehr früh erkannte, ist aber geblieben – und gewinnt mit jedem Tag wachsenden Inhalts an immenser Bedeutung.

Suchen und Finden
Da ein einfacher Link keinerlei Informationen enthält, was sich für ein Inhalt dahinter vebirgt, kam man auf die Idee der Metatags. Schlüsselbegriffe, die einer Suchmaschine ermöglichten zu vergleichen, ob der Link mit dem Tag “fischen” auch auf der Inhaltsseite einen Text enthielt, in dem der Begriff vorkam. Wenn dem so war, dann wurde dieser Link bei der Suche nach dem Begriff fischen angezeigt. Was jedem Kind klar ist: fischen ist eine Tätigkeit am Wasser, im Zürichsee “angelt” der Opa den leckeren Egli und im Urlaub schaut es gern den Fischern beim Netze flicken zu. Die Suchmaschine hat von all diesen Zusammenhängen keine Ahnung. Sollte die verlinkte Seite nur über Angelsport sprechen, so wird die Suchmaschine den Link mit “fischen” nicht auflisten.

Was wir uns wünschen und Wissenschaftler versuchen
Wenn Sie einen Freund in Los Angeles fragen: “War Paris Hilton mal in Johnny Depp´s Bar Viper Room in Los Angeles?”, dann gibt es drei Antworten: Ja, Nein oder weiss ich nicht.  Geben Sie die o.a. Frage mal spasseshalber bei Google ein, auch wenn Sie sich nicht für schlüpferlose B-Promis interessieren. Sie bekommen tausende von Antworten, über LA, Johnny Depp, Viper Room, Bars, Paris, das Hilton in Paris – nur die einfache Antwort auf Ihre Frage bekommen sie nicht. Weil Computer dumm sind und Suchmaschinen im Herstellen von Sinnzusammenhängen von einem Zweijährigen im Schlaf geschlagen werden.

Nun ist es an der Zeit dies zu ändern, und dazu braucht es mehr als die Ingenieure und Softwareentwickler die bisher am WWW gearbeitet haben. Um Suchmaschinen zu vernünftigen Antworten zu bewegen, wie wir sie natürlicherweise Erwarten, gibt es drei Grundpfeiler, auf denen sich das semantische Web 3.0 aufbaut.

1. Logik: Ein System von Regeln, auf deren Basis Computer Rückschlüsse ziehen können
2. Ontologie: bedeutet einfach gesagt die Beschreibung von Objekten die in einem Umfeld existieren (Angeln und Fische existieren im selben Umfeld)
3. Berechenbarkeit: Damit Logik und Ontologie für einen Computer in Kontext gesetzt werden können, müssen sie berechbar sein, was sie von menschlich möglichen Ideen, wie die der Philosophie, abgrenzt. Es muss einen nachvollziehbaren Sinn ergeben. (Agnostik, vielleicht gibts Gott, vielleicht nicht, und wenn dann machts keinen Unterschied für uns – wäre z.B. eine logisch nicht berechenbare Aussage.)

Wenn diese Grundpfeiler in allem Content entsprechend impementiert sind, dann werden wir endlich bekommen was wir wollen. Inhalte die in den richtigen Kontext gesetzt sind, in sinnvolle Umfelder, die relevantes Wissen von trivialem Blödsinn unterscheiden. Dann werden Suchmaschinen in der Lage sein, uns schnell die Antworten zu geben die wir suchen.

Folgendes Bild stellt dar, wie die Zukunft in der Verbindung zwischen Technologie, Inhalt und Inhaltserstellern aussehen könnte – und beschreibt wie sich sinnvolle Verbindungen mit Informationen mit den Verbindungen zwischen Inhalten und Erstellern entwickeln.

Entwicklung des WWW, Quelle: Radar Networks

Entwicklung des WWW, Quelle: Radar Networks

Da Wissenschaftler mit dem vorgenannten noch nicht zufrieden sind (und ich auch nicht), setzt man auf einen weiteren Hoffnungsträger – die Entwicklung der künstlichen Intelligenz und das Prinzip der Singularität. Darüber schreibe ich im zweitem Teil dieses Artikels.

Was haltet ihr von den ganzen Buzzwords – ein nicht zu bewältigender Versuch Ordnung ins Chaos zu bringen oder eine echte Chance? Kennt jemand von Euch schon wirklich gute Literatur zum Thema, die nicht den Zusatz “Dieser Artikel ist noch nicht erschienen” bei Amazon hat? Und was sind Eure Prognosen, wann wir mit “schlauen Rechnern” rechnen können?

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