Mai 07

Im Web brodelt es: Selten war es so einfach, Texte, Audiobeiträge oder Bilder zu verbreiten. Darauf wird auch der Online-Journalismus reagieren müssen.

Bereits im letzten Blogpost zum Thema Social Media Newsroom wurde klar: Unternehmungen müssen ihre Kommunikation an die Realität 2.0 anpassen. Denn: die neue Medienwelt ist interaktiv und kollaborativ. Die Informationen fliessen nicht mehr nur unilateral vom Journalisten zum Rezipienten. Der Journi verliert nach und nach seine Gatekeeper-Funktion. Und die User erschliessen sich Wissen über nutzergenerierte Inhalte.
Doch genauso, wie sich Firmen an diese Entwicklungen anpassen müssen, werden sich auch die Journalisten und Medienunternehmen neu erfinden müssen – als Anpassung ans Web 2.0.

Die Nachricht wird mich finden
«Wenn die Nachricht wichtig ist, dann wird sie mich finden», zitierte die New York Times im März 2008 einen Studenten zum Thema Journalismus im Web 2.0. Diese Aussage bringt die Entwicklungen, auf die es zu reagieren gilt, auf den Punkt. Doch was müssen die Medien leisten, um den neuen Erwartungen der User gerecht zu werden?

Die neue Form der Partizipationskultur im Internet verlangt von den Medienunternehmen grundlegende Änderungen des traditionellen Einbahnstrassen-Status. Sicherlich tun die Medienunternehmen grundsätzlich gut daran, „Share-Funktionen“ einzubauen – egal ob bei Videoclips oder Zeitungsartikel. Des Weiteren sollten sie sich in bestehende soziale Netzwerke einbringen oder idealerweise selber zu sozialen Netzwerken werden.
Auch sollte der Tatsache Rechnung getragen werden, dass User vor allem den Empfehlungen aus ihren persönlichen Netzwerken vertrauen und folgen. In den USA führen mittlerweile mehr Links von Facebook als von Google auf Nachrichten-Websites. Zudem weckt das Echtzeitnetz Erwartungen beim Nutzer, die dann auf klassische Medien übertragen werden.

Dementsprechend werden sich natürlich auch die journalistischen Darstellungsformen anpassen. Will heissen, die klassische Berichterstattung in Form von Artikeln wird durch Blogs, Videoplattformen, Audio-Slideshows, Augmented Reality, Datenvisualisierung oder Geotagging ergänzt. Da wird es der traditionelle Print-Journalismus über kurz oder lang schwer haben, sich gegen diese Art von News-Konkurrenz zu behaupten.

Und was glaubt ihr, wird sich der Online Journalismus den Print Journalismus irgendwann vollkommen ersetzen?

\\ tags: , ,
2 Kommentare »

Jan 08

hatocafeJapans Ministerpräsident Yukio Hatoyama bloggt und twittert seit Anfang dieses Jahres. Er ist nicht der erste Politiker, der das tut. Das Besondere an Yukio Hatoyamas Auftritt ist eine Real-World-Komponente.

Der erste Tweet von Japans Premier klingt noch ein bisschen steif. Er wünscht einfach seinem Volk alles Gute zum neuen Jahr. Aber Hatoyama hat nicht nur seinen ersten Tweet abgesetzt, sondern auch schon gebloggt. Dabei geht er sogar noch einen Schritt weiter als sein Vorbild, US-Präsident Barack Obama: Er holt seinen Blog Hatocafe ins reale Leben.

Wem das Internet zu digital ist, der soll irgendwann in naher Zukunft ein regelmässig geöffnetes, reales Hatocafe im Kantei, dem Sitz des Ministerpräsidenten, besuchen können – Plausch mit dem Chef und Hatocafe-Tasse inklusive.

Im ersten Eintrag auf dem Hatocafe-Blog erklärt der Minister seine Motive. Er starte diesen Blog, um die Distanz zwischen Volk und Politik zu verringern und gemeinsam das Land zu verändern. Dabei stellt er sich folgende Arbeitsteilung zwischen den verschiedenen Internet-Kanälen vor: Während seine Politik in einem Mail-Magazin dargestellt wird, will er im Blog Dinge aus seinem Umfeld berichten. Für Twitter sind Eilnachrichten mit Links, zum Beispiel zu seinen Reden, und persönliche Bemerkungen über sein Befinden bestimmt.

Aber wo experimentiert wird, wird auch kritisiert. Der Oppositionspolitiker Koichi Kato ist der Meinung, dass ein Ministerpräsident Bessere zu tun haben müsse als zu twittern und zu bloggen. Diese Kritik wird jedoch wohl verpuffen. Hatoyama hat richtig erkannt, dass er alle Informationskanäle nutzen sollte, um seine Botschaft möglichst weit zu verbreiten. Gerade viele junge Japaner lesen keine Zeitung mehr, sondern surfen nur noch im Web oder am Handy.

Zudem wir der Premier das Regieren schon nicht vergessen. Ohne konkrete politische Erfolge droht ihm nämlich das Schicksal vieler Vorgänger, die bis auf ein paar Ausnahmen bereits nach einem Jahr wieder abgelöst wurden. Er hat aber etwas erkannt, was noch in vielen Köpfen einen Platz finden muss: Social Media – da muss man mitmachen. Aber online präsent zu sein, reicht nicht aus. Man muss rausgehen und die Leute treffen. Web 2.0 ist vorbei und Web 3.0 findet wieder am Holztisch statt. Mit echten Menschen.

Der Premier wird also sicher nicht websüchtig. Er will nämlich nur einmal täglich twittern und einmal die Woche bloggen. Ausserdem nimmt er das mit den Ruhezeiten sehr genau. Schon letzten Sonntag hat er eine Twitterpause eingelegt.

Ob das genügt? Oder macht er es so gerade richtig?

\\ tags: , , , , , ,
1 Kommentar »

Jan 04

Web 2.0 war eines der grossen Hype-Wörter im Internet. Der Ausdruck schmückte jede Präsentation und doch wusste dazumal keiner wirklich für was er stand. Nun spricht jeder von Social Media, ein Begriff der das Internet erst vor kurzem zur erobern begonnen hat.

Doch sucht man überhaupt nach Social Media? Ist der “Soziale Web” für die User ein Thema wie es einmal Web 2.0 war?
Der Frage bin ich mit Hilfe von Google Trends nachgegangen.

Wie habt Ihr die 2.0 Welle erlebt und was denkt Ihr wie lange es dauern wird bis Social Media den selben Hype auslöst wie Web 2.0 vor ein paar Jahren noch? Oder verschwindet Social Media so schnell wie’s gekommen ist?

\\ tags: , ,
4 Kommentare »

Nov 04

WebWestAm 29.10.09 hat die INM AG zum ersten Mal in ihrer 15-jährigen Geschichte einen Kundenevent veranstaltet. Ganz im Sinne von Web 2.0 haben wir für die Anmeldung ein Social Network namens webwest.ch auf die Beine gestellt.

Die Besucher hatten so die Möglichkeit sich auf den Event “geistig” vorzubereiten, Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig zu beschnuppern. Mehr zur kreativen Idee im sehr kurzen Intro-Video zum Anlass:

Die Hauptattraktionen des Abends waren die Referate von Samy Liechti von Blacksocks und von Markus Dobbelfeld von Adobe Systems. Sie vermochten die Besucher in ihren Bann zu ziehen, vor allem weil sie aus ihrer langjähriger Erfahrung im Bereich Online Medien Learnings aufführten, die man nicht alle Tage zu hören kriegt. Aniello Bove und Dirk Worring, beide von der INM AG, rundeten diese Referatsserie elegant ab.
Für diejenigen die nicht dabei waren, haben wir den Event in den nachfolgenden Videos zusammengefasst.

Feedback zum Event aber auch der Art und Weise wie die INM an das “verstaubte” Thema Kundenevent ranging sind gerne willkommen

\\ tags: , , ,
10 Kommentare »

Okt 20

Paranormal ActivityDass der Low-Budget-Film „Paranormal Activity“ seit Anfang Oktober in den amerikanischen Kinos gezeigt wird, haben die Filmemacher ihren Fans zu verdanken. Die Filmfirma versprach nämlich, dass der Film im ganzen Land gezeigt werde – wenn sich eine Million Nutzer den Film auf die Leinwand wünschen würden.

Nur rund 15‘000 Dollar soll die Produktion des Horror-Streifens „Paranormal Activity“ von Regisseur Oren Peli gekostet haben. Premiere hatte der Film aber bereits 2007 auf einem amerikanischen Filmfestival, doch danach ging es Hin und Her. Erst sollte der Streifen auf DVD erscheinen, dann plante man bereits ein Remake. Sogar Hollywood-Star Steven Spielberg setzte sich, nachdem er sich den Film angesehen hatte, für ein Remake mit grösserem Budget ein.

Stattdessen aber setzte Paramount Pictures zusammen mit der Veranstaltungsseite Eventful auf virales Internet-Marketing. Nachdem der Film in 13 amerikanischen Kleinstädten als Vorpremiere gezeigt wurde, richteten sie sich an die Fans und versprachen, den Film in jeder Stadt ins Kino zu bringen, wo sich genügend Internetnutzer dafür stark machen würden. Wenn sich gar eine Million User für den Film stark machen würden, werde man den Film im ganzen Land zeigen.

Shibby und Dirk sehen sich den Trailer anChristina und Dirk beim Ansehen des Trailer von “Paranormal Activity”.

Anfangs Oktober wurde die Marke von 1 Million Nutzer nun mit Hilfe von Social-Media-Sites wie Facebook oder Twitter erreicht und Paramount lancierte den Film in den ganzen USA. Mit unglaublichem Erfolg: Am ersten Wochenende spielte der Film, allein in Mitternachtsvorstellungen, 530‘000 Dollar ein. In der zweiten Woche, inzwischen in der Prime-Time und auf vielen Leinwänden mehr, waren es bereits 7,8 Millionen Dollar.

Nach “Blair Witch Project” ist “Paranormal Activity” ein weiterer Low-Budget-Film, der durch virales Marketing zum Erfolg werden könnte. Was sind die Voraussetzungen für ein Gelingen solcher viraler Aktionen? Kommt irgendwann eine Abstumpfung gegenüber viralen Kampagnen?

\\ tags: , , , ,
3 Kommentare »

Sep 29

Friend a GorillaFür einmal wird’s tierisch: Die vom Aussterben bedrohten Berggorillas in Uganda suchen neue Freunde. Und das natürlich im trendigen Web 2.0. Egal ob auf Facebook, Twitter oder der Homepage von “Friend-a-gorilla“, schnell hat man auch einen Gorilla als Freund. Gegen eine Spende versteht sich. Und die soll helfen, die bedrohten Tiere zu beschützen.

Wer sich wie wir tagelang hinter Computermonitoren versteckt, verliert manchmal den Sinn fürs Wesentliche. Zum Beispiel, dass die Zivilisation auch in Afrika den Lebensraum der tierischen Urbewohner immer mehr bedroht. Etwa die der Berggorillas, von denen es weltweit nur noch rund 720 geben soll. Etwa 340 von ihnen leben im Bwindi Impenetrable Forest National Park, was in etwa soviel heisst wie der undurchdringliche Bwindi-Wald-Nationalpark. So undurchdringlich scheint dieser Wald allerdings nicht mehr zu sein, denn die Tiere werden nicht nur durch Bauern und Holzkohle-Hersteller ihres Lebensraums beschnitten, sondern sind auch immer wieder Ziel von Wilderern, die die Gorillas wegen ihres Fleisches töten.

Friend-a-Gorilla Screenshot

Die Naturschutzbehörde Ugandas setzt nun ganz auf die Stärken des Web 2.0 um die weltweite Aufmerksamkeit für die Gorillas zu gewinnen. Gegen eine kleine Spende kann nun nämlich jeder zum Freund eines Berggorillas werden. Dafür kann man seinen haarigen Freund dann durch Dutzende Kameras, die die Behörde im Nationalpark installiert hat, beobachten oder ihm mittels eines GPS-Signals sogar verfolgen. Einzig den Volkssport chatten scheinen die Gorillas noch nicht zu beherrschen. Aber das tut man im Urwald schliesslich auch auf andere Weise.

Die Naturschutzbehörde hofft, mit der Aktion im Internet genügend Freunde für die Gorillas zu finden, die diesen auf Facebook , MySpace oder Twitter für ein Minimum von einem Euro pro Jahr folgen. Mit dem Geld sollen dann neue Ranger eingestellt werden, die die Tiere vor ihren unnatürlichen Feinden schützen.

Was haltet ihr von solchen Aktionen? Kann “Friend-a-Gorilla” zum Erfolg werden? Oder werden die Gorillas hier einfach nur zum Affen gemacht?

\\ tags: ,
3 Kommentare »

Sep 22

Bereits seit vier Jahren macht sich Karl Fisch die Mühe, die sich stetig verändernde Medien- und Technologiewelt in Wort und Bild festzuhalten. Heraus kommen dabei interessante, erstaunliche und kuriose Gegebenheiten, die einem immer wieder zum Nachdenken bringen.

 
Lebt man “mittendrin”, fällt einem der kurze Zeitraum, in dem sich alles verändert, gar nicht weiter auf. Trotzdem höchst erstaunlich, was sich seit 2006, 2007 und 2008 so alles verändert hat…

Und die Entwicklung geht rasant weiter. Wohin das etwa in Bezug auf Mobile Media führen könnte, zeigt ein Video des Think-Tanks Mocom 2020, dass die Zeit bis ins Jahr 2020 aufzeigen soll…

 
Wohin führt uns die Zukunft? Was erwartet ihr oder welche Hoffnungen oder Ängste habt ihr?

\\ tags: ,
2 Kommentare »

Sep 17

Letzte Woche habe ich ein wenig darüber philosophiert, wie wichtig das Zuhören im Marketing ist. Die Kommentatoren waren sich einig, das Zuhören im Marketing und überhaupt im Leben sehr wichtig ist.
Ich werde heute eine kleine Serie starten, die darlegen soll, wie man im Web 2.0 zuhören kann. Es wird natürlich nur ein Weg von vielen sein und soll nur ein paar Anstösse geben, damit man sich seine eigene Technik zurechtlegen kann.

dosenphoneWas vielfach gerne vergessen geht, ist der Umstand, dass der Unterschied vom klassischen Web zum Web 2.0 („Mitmach-Web) genau der Faktor Zuhören ist. Das Web 2.0 lebt von der Kommunikation mit dem Internet-User. Diese sollte aber auf jeden Fall über ein Kontaktformular hinausgehen. Die Kommunikation sollte immer ein Dialog sein. Es sollten Mechanismen zu Verfügung stehen, die diesen Dialog auch nutzen und für Dritte Webnutzer auch transparent sind. Der Dialog sollte sich also auch verbreitern können. Nur so kann sich auch eine fruchtbare Diskussion entwickeln. Zudem lässt sich so die eigene Online Reputation besser steuern und man muss nicht immer auf die selben Anfragen eine Antwort geben.

Das Zuhören ohne eigene Web 2.0 Plattform

Nun habe ich aber eine Website ohne diese ganzen Web 2.0 Features. Brauche ich nun eine neue Website, damit ich weiss, was die Leute über meine Firma, meine Produkte oder über mich denken? Wie kann ich trotzdem in Erfahrung bringen, was die potentiellen Kunden umtreibt und wie sie ticken? Die Antwort ist – Nein. Nicht unbedingt. Es gibt zahlreiche Tools, die einem das richtige Zuhören einfacher machen.

Die Basics bei Google

Am Anfang steht sicherlich mal das Googlen. Ich vermute mal, dass die meisten schon mal nach ihrem eigenen Namen, ihren Produkten oder ihrem Firmennamen gesucht haben.  Dies ist mal ein Anfang, aber meist nicht sehr interessant, da die Fundstücke schon länger auf dem Netz sind und ich entsprechend auch keinen Einfluss mehr darauf nehmen kann.

Google blog-suche

Interessanter ist da schon der Besuch auf der Google blog-suche. Vor allem wenn man an persönlichen Meinungen von Early Adopters, Konsumenten etc. interessiert ist, wird dies die bessere Wahl als die klassische Google Suche sein.

Google Alerts

Ein sehr wichtiger Google Dienst, Google Alerts, wird gerne vergessen. Hier kann veranlasst werden, dass beim Erscheinen eines definierten Suchbegriffes auf irgendeiner Webseite, die von Google indexiert wird, ein E-Mail mit dem Link an sie geschickt wird. Wahlweise können diese Alarme auch als RSS-Feed abonniert werden und so im Feedreader gelesen werden. Dieses Tool eignet sich besonders für Begriffe, die man ständig im Auge behalten will.

Dies wären mal die wichtigsen Tools von Google zum Thema Zuhören im Web 2.0. Habt ihr gute und schlechte Erfahrungen mit diesen Tools? Habe ich was vergessen? Wie immer sind eure Kommentare willkommen. Ihr wisst ja, wir haben ein Ohr für euch. ;-)

Nächste Woche verlasse ich das Thema Google und präsentiere weitere wichtige Tools für das Zuhören.

\\ tags: ,
6 Kommentare »

Aug 25

Google Stree ViewSeit genau einer Woche ist Google Street View in der Schweiz nun online. Genau so lange dauert nun auch bereits das Hin und Her zwischen dem Schweizer Datenschutzbeauftragten und dem Internetkonzern Google. Während der Datenschützer schon mal lauthals die Einstellung des Dienstes fordert, versteckt sich Google hinter PR-Phrasen.

Eigentlich können wir Schweizer uns für einmal freuen: Google hat die Schweiz als neuntes Land der Welt (und noch vor Deutschland oder Österreich) letzte Woche für Street View freigeschalten. Und seither surft die halbe Schweizer Bevölkerung die Strassenfotos ab, und hofft, auf etwas spannendes zu stossen. Dass es dabei einiges an Kuriosem zu sehen gibt, konnte man in den letzten Tagen auf Blogs und Newsseiten zur Genüge nachlesen.

Street View sofort abschalten
Mitgesurft hatte aber auch der oberste Schweizer Datenschützer, der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDOEB), Hanspeter Thür. Und der war alles andere als begeistert. Am Freitagabend forderte er sogar, die Schweizer Street-View-Variante sei “unverzüglich” vom Netz zu nehmen. Der Grund:

Zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung ebenso wie eigene Nachforschungen haben gezeigt, dass Google Street View die Auflagen des EDOEB zum Schutz der Privatsphäre nicht erfüllt – zahlreiche Gesichter und Autonummern waren gar nicht oder nur unzureichend verwischt.

Und die Nachricht über die geforderte Sperrung verfehlte ihre Wirkung nicht – zumindest in den Medien. Über das Wochenende war die Forderung von Thür eines der Hauptthemen. Google selbst hingegen übte sich – wie üblich – in Nichtkommunikation. Zwar versandte Googles Schweizer PR-Agentur eine fast eineinhalb Seiten lange Mitteilung, die ausser PR-Geschwurbel jedoch nur wenig inhaltliches zu bieten hatte.

Lobhudelei
Da lobte man, wie gut Street View in der Schweiz aufgenommen wurde, dass sich Menschen mit Street View “eine Auszeit vom Berufsalltag” gönnen würden, um damit “ihre Nachbarschaft zu erkunden, ihren Arbeitsort besser kennenzulernen oder Erinnerungstouren zu unternehmen.” Sogar Schweiz Tourismus durfte Google die Stange halten und erklärte, dass der Dienst “ungeheuer wertvoll für unser Land sei – “für Schweiz Tourismus und die Wirtschaft”. Street View sei “ein grossartiges Mittel” das zur Geltung bringe, was der Schweizer Tourismus alles anzubieten habe. Nur ganz am Schluss der Mitteilung noch ein Statement von Peter Fleisher, Googles Global Privacy Counsel, der sich auf das Gespräch mit dem Datenschützer freue, “um uns seine Bedenken anzuhören und diese zu zerstreuen, indem wir erneut demonstrieren, wie wir die Privatsphäre in Street View schützen”.

Man könnte also annehmen, dass Google wenigstens nach dem gestrigen Gespräch mit Hanspeter Thür etwas kommunikationsfreudiger ist. Erst recht, seit die Medien auch über Beschwerden von Unternehmen oder Gefängnissen berichten, die ihre Bauten nicht in Street View sehen wollen. Allerdings: Mit dem dürren Statement von gestern Nachmittag dürfte sich Google erneut wenig Freunde gemacht haben:

Es gab einen guten Gedankenaustausch mit dem Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür. Wir freuen uns auf weitere Gespräche, um unsere branchenweit führenden Anwendungen zum Schutz der Privatsphäre demonstrieren zu können. Seit dem Launch in der letzten Woche haben wir einen Anstieg des Nutzungsvolumens von 80% erlebt, was  die Popularität dieser Funktion bei der Schweizer Bevölkerung zeigt.

Warum so zurückhaltend, Google?
Eigentlich schade, dass Google da nicht tiefer in die PR-Kiste greift, denn ich halte Street View für einen gelungenen Dienst. Zugegeben, mit der Umsetzung der Anonymisierung hapert es noch etwas, aber wer die Anzahl von Gesichtern und Nummernschilder in Relation zu den nichtanonymisierten Bildern setzt, muss zugeben, dass deren Anteil doch ziemlich klein ist.

Was haltet ihr vom Hick-Hack rund um Street View? Soll der Dienst abgeschaltet werden, bis alle Datenschutzbedenken aus dem Weg geräumt sind? Oder übertreibt es der Eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür mit seinen Forderungen? Was bedeuten die Forderungen Thürs für Bilder in Zeitungen und Fernsehen? Eure Meinung ist gefragt…

\\ tags: ,
16 Kommentare »

Aug 11

Facebook kauft Friendfeed

Das Social-Network Facebook hat gestern abend überraschend den Kauf des US-Startups Friendfeed für rund 50 Millionen Dollar bekanntgegeben. Friendfeed soll “vorerst” unverändert weiterbestehen, bis die langfristigen Pläne definiert worden seien. Ist das das Ende von FriendFeed?

Facebook, das ausserhalb von China grösste Online-Netzwerk der Welt, will mit dem Kauf von Friendfeed seine Position im Wettbewerb mit Twitter ausbauen. Das soziale Netzwerk hatte in den letzten Monaten vermehrt mit dem rasanten Wachstum von Twitter zu kämpfen. Bei Friendfeed, dessen Idee es ist, dass Nutzer ihre Online-Aktivitäten auf verschiedenen Seiten an einem Ort sichtbar machen und gleichzeitig miteinander kommunizieren können, haben sich die Facebook-Macher bereits in der Vergangenheit mehrfach Funktionen abgeguckt. Trotzdem ist Friendfeed technisch teilweise weiter, auch wenn das komplexere Erscheinungsbild gerade Nutzer mit nicht technik-affinem Hintergrund eher abschreckte. Laut Schätzungen soll Friendfeed gerade mal über eine Million Nutzer verfügen – verglichen mit den 250 Millionen Mitgliedern von Facebook geradezu ein Klacks.

Die Ankündigung, dass Friendfeed bis zum Vorliegen von langfristigen Plänen “vorerst” unverändert weiter bestehen soll, sorgt jedoch für Argwohn in der Szene. Stampft Facebook den Dienst womöglich ein und übernimmt die Features ganz einfach in Facebook? So ganz von der Hand zu weisen sind diese Vermutungen nicht, denn das Social Network hätte auch wie bisher einfach damit fortfahren können, die wichtigen Ideen von Facebook zu kopieren. Mit dem Kauf sichert man sich aber ein von vielen Quellen als exzellent bezeichnetes Engineering-Team, das die Ideen direkt in Facebook integrieren kann und damit Friendfeed früher oder später den Boden unter den Füssen wegziehen wird.

Wie findet ihr die Übernahme von Friendfeed durch Facebook? Wird Friendfeed als eigenständiger Dienst weiter bestehen oder in absehbarer Zeit ganz in Facebook integriert werden? Ist das der Anfang der Konsolidierungswelle im Social-Media-Bereich?

\\ tags: ,
3 Kommentare »