Mai 19
Digital Marketing Compass 7 NeoOgilvy

Der neue Digital Marketing Compass 7 ist gerade vorgestellt worden, bei dem die Meinungen und Pläne der Marketingleiter der drei Länder zusammengefasst sind. Schöne Aussichten für den Online Bereich, doch ich bin auch ein bisschen skeptisch.
Bild von Maik Baird.

Online ist das grosse Ding, da sind sich alle Marketingexperten einig, da muss das Geld hin! 80% der Befragten gaben an auch im Kriesenjahr 2009 die Online Etats gesteigert zu haben, nur 5% hätten zurückgeschraubt. Allerdings will man bei TV und Aussenwerbung jetzt nicht gerade sparen, weil, so die fast einstimmige Meinung, die Bedeutung der Fernsehwerbung kaum auf dem Abstellgleis zu sehen sei. Dafür spricht natürlich naiv gesehen die Tatsache, dass der Durchschnittskonsument täglichg 3 Stunden TV sieht, aber nur 15 Minuten auf Youtube verbringt.
Vergessen wird dabei meiner Meinung nach, dass er aber nichtmal 15 Sekunden Fernsehwerbung anschaut, weil er wegzappt oder neues Bier holen geht. Hingegen schaut er sich die 15 Minuten  Youtube freiwillig und wirklich an.

Social Media skeptisch betrachtet
Das wundert mich nun gar nicht. Das Gros der Marketingverantwortlichen sieht den Erfolg nicht und hat Hemmungen auf das Soziale Pferd zu setzen.
Das man sich an komplett anderes Konsumentenverhalten in der Informationsbeschaffung von Marken, Produkten und Services gewöhnen muss geht ja auch nicht über Nacht. Mehr als ein Jahrhundert Erfahrung und Erfolg  in der Klassik und nun soll alles anders werden?  Das braucht Zeit, Mut und ganz neue Konzepte. Und da lässt man gern mal der Konkurrenz den Vortritt im Ausprobieren.

Werbetreibende verlangen Multichannel Experten
Der Wunschwerber von heute soll sowohl die mitreissende klassische Kampagne konzipieren und gleichzeitig eine Koryphäe sein bei der Ansprache von Kleinstsegmenten mit Kommunikation auf Augenhöhe. Auch und Massen-Mobile Faszination muss natürlich auch noch drin sein. Wer so etwas in Personalunion leisten soll ist mir allerdings schleierhaft.

Der grosse Graben
Denn bedauernswerter Weise sieht die Realität noch immer ganz anders aus. Seit dem Webhype der Endneunziger, indem  jede Webklitsche versuchte Markenführungsetats an sich zu reissen (und scheiterten aus Mangel an Kompetenz), die Klassiker Online Units aus dem Boden stampften (mit ähnlich erfolglosen Versuchen), hat sich nicht viel geändert. Die Big Player in der Werbung haben sicherlich erfolgreiche Online Ableger. Aber eben Ableger, Agenturen die als eigene Unternehmen am Markt sind und sich oft nur den Namen teilen. Die Zusammenarbeit zwischen unabhängigen Agenturen aus Klassik und Online hat sich in etwas genauso gut entwickelt wie die Annährung von West- und Ostdeutschland.

Für mich ist die vernünftige, integrierte Zusammenarbeit mehr als überfällig, denn Online ist schon lange kein Gimmick mehr, sondern ein fester Bestandteil des Konsumentenlebens. Es muss endlich ein Ruck durch beide Lager gehen und die Vereinigung aller Kompetenzen im friedlichen Miteinander funktionieren. Das schulden wir den Konsumenten und damit auch dem Erfolg unserer Kampagnen für die, die uns die Etats freigeben.

Was denkt ihr, bekommen die Klassiker und Onliner diesen Schulterschluss nochmal hin oder wird es noch weitere Jahrzehnte ein Kompetenzgerangel bleiben?


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