Mrz 18

Die immense Katastrophe in Japan hält uns diese Tage in Atem und wir alle fragen uns, wie auch wir helfen können. Doch wie sinnvoll sind Spendenaktionen über Social Media Plattformen?

Tausende von Twitter-Usern zeigen diese Tage mit dem Hashtag #prayforjapan im Sekundentakt ihre Anteilnahme an der Naturkatastrophe in Japan. Einige Firmen gingen dabei jedoch noch einen Schritt weiter und versuchten, über Social Media und co. direkt zu helfen und Spenden zu generieren. Was viele nicht erwartet hatten war, dass sie für ihre Aktion teilweise scharfe Kritik einholen würden. Wie schon oft in der “realen Welt” stellt sich nun auch im Internet die Frage: “Wenn Wohltätigkeit auf Marketing trifft, heiligt der Zweck die Mittel?”.

Der Gedanke, mit einem Mausklick den Erdbebenopfern  in Japan zu helfen klingt vorerst sehr bequem und effizient. Auf den ersten Blick kann man annehmen, dass so auch Spenden von Personen eingehen werden, welche ohne die Möglichkeit bestimmt keinen Einzahlungsschein ausgefüllt hätten. Trotzdem hat zum Beispiel die Spendenaktion von Microsofts Suchmaschine Bing in den letzten Tagen für massive Negativschlagzeilen gesorgt.

In einem Tweet kündigte Microsoft an, für jeden Retweet der Message einen Dollar für Japan zu spenden. Den Höchstwert setzten sie bei 100’000 Dollar. Innert kürzester Zeit hagelte es Kritik, sie würden die Naturkatastrophe für ihre Zwecke nützen, um @Bing auf Twitter zu verbreiten. Als  Microsoft die negativen Reaktionen im Netz bemerkte, entschuldigte sich Bing über den offiziellen Twitter-Account und spendete die 100’000 Dollar ohnehin.

Gescheitert ist die Idee der Social Media Charity jedoch nicht überall. Der Spiele-Anbieter Zynga ging eine Partnerschaft mit dem Hilfswerk “Save the Childern” ein und bietet zurzeit in seinen Facebook-Games für den Spieler die Option, mit dem Erwerb von virtuellen Gütern, wie zum Beispiel Kartoffelsamen im Spiel FarmVille, für die Erdbebenopfer zu spenden. Sogar Facebook verzichtet dabei auf den Provisionsanteil von 30%. Die Aktion wurde bisher von der Presse gut aufgenommen, obwohl auch hinter dieser Aktion eine Marketingstrategie steht.

Die Grundidee von Social Media Spenden scheint auf jeden Fall verlockend. Trotzdem wirft die Vermischung von Selbstvermarktung und Wohltätigkeit auch online Fragen auf. Selbstverständlich hat dieses Problem den Ursprung nicht im Web, sondern findet darauf lediglich eine neue Plattform. Wie sich die Spende per Mausklick durchsetzt, wird sich zeigen. Auf jeden Fall verfolgen wir die Entwicklungen gespannt und sagen an diesem Punkt #prayforjapan.

Was hältst du von Spenden per Mausklick? Hast du selbst durch eine solche Aktion gespendet? Über welche Plattform oder Möglichkeit würdest du am ehesten spenden? Kennst du spannende Aktionen zum Thema? Findest du Aktionen wie die von Bing oder Zynga sinnvoll? Welche Aktionen würdest du in Zukunft gerne sehen?

Quellen:

Artikel zu Zynga

Artikel zu Bing

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Jan 08

hatocafeJapans Ministerpräsident Yukio Hatoyama bloggt und twittert seit Anfang dieses Jahres. Er ist nicht der erste Politiker, der das tut. Das Besondere an Yukio Hatoyamas Auftritt ist eine Real-World-Komponente.

Der erste Tweet von Japans Premier klingt noch ein bisschen steif. Er wünscht einfach seinem Volk alles Gute zum neuen Jahr. Aber Hatoyama hat nicht nur seinen ersten Tweet abgesetzt, sondern auch schon gebloggt. Dabei geht er sogar noch einen Schritt weiter als sein Vorbild, US-Präsident Barack Obama: Er holt seinen Blog Hatocafe ins reale Leben.

Wem das Internet zu digital ist, der soll irgendwann in naher Zukunft ein regelmässig geöffnetes, reales Hatocafe im Kantei, dem Sitz des Ministerpräsidenten, besuchen können – Plausch mit dem Chef und Hatocafe-Tasse inklusive.

Im ersten Eintrag auf dem Hatocafe-Blog erklärt der Minister seine Motive. Er starte diesen Blog, um die Distanz zwischen Volk und Politik zu verringern und gemeinsam das Land zu verändern. Dabei stellt er sich folgende Arbeitsteilung zwischen den verschiedenen Internet-Kanälen vor: Während seine Politik in einem Mail-Magazin dargestellt wird, will er im Blog Dinge aus seinem Umfeld berichten. Für Twitter sind Eilnachrichten mit Links, zum Beispiel zu seinen Reden, und persönliche Bemerkungen über sein Befinden bestimmt.

Aber wo experimentiert wird, wird auch kritisiert. Der Oppositionspolitiker Koichi Kato ist der Meinung, dass ein Ministerpräsident Bessere zu tun haben müsse als zu twittern und zu bloggen. Diese Kritik wird jedoch wohl verpuffen. Hatoyama hat richtig erkannt, dass er alle Informationskanäle nutzen sollte, um seine Botschaft möglichst weit zu verbreiten. Gerade viele junge Japaner lesen keine Zeitung mehr, sondern surfen nur noch im Web oder am Handy.

Zudem wir der Premier das Regieren schon nicht vergessen. Ohne konkrete politische Erfolge droht ihm nämlich das Schicksal vieler Vorgänger, die bis auf ein paar Ausnahmen bereits nach einem Jahr wieder abgelöst wurden. Er hat aber etwas erkannt, was noch in vielen Köpfen einen Platz finden muss: Social Media – da muss man mitmachen. Aber online präsent zu sein, reicht nicht aus. Man muss rausgehen und die Leute treffen. Web 2.0 ist vorbei und Web 3.0 findet wieder am Holztisch statt. Mit echten Menschen.

Der Premier wird also sicher nicht websüchtig. Er will nämlich nur einmal täglich twittern und einmal die Woche bloggen. Ausserdem nimmt er das mit den Ruhezeiten sehr genau. Schon letzten Sonntag hat er eine Twitterpause eingelegt.

Ob das genügt? Oder macht er es so gerade richtig?

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