Knast statt Konzepte

TPB Gründer Warg & Sunde ©EPA/BERTIL ERICSON
Am 17.04.2009 wurden die Betreiber des Torrent Tracker Portals “The Pirate Bay” zu einjährigen Haftstrafen und einer Geldstrafe von 2,8 Mio Eur vom Stockholmer Bezirksgericht verurteilt. Der Weltverband der Phonoindustrie (IFPI) begrüsste den Entscheid als ein positives Signal in die richtige Richtung im Kampf gegen illegale Downloads. Von Annäherung und Know-how Austausch keine Spur.
Angefangen hatte das Thema Filesharing für eine grosse Gemeinde im Jahr 1999 mit Napster. Das Portal erlaubte es den Usern mp3 Files leicht mit anderen zu tauschen. Nur ein Jahr später wurden die Betreiber von Musikkonzernen und Musikern verklagt und mussten den Betrieb 2001 einstellen. Gelernt von dem erfolgreichen Konzept für die kommerzielle digitale Vermarktung hatte dabei aber keiner was auf Industrieseite.
Erst der Visionär Steve Jobs präsentierte 2003 mit dem iTunes Store ein erfolgreiches und funktionales System zur digitalen Musik und Video Distribution, doch auch da gab es Tücken. Das verwendete Schutzsystem DRM (Digital Rights Management) beschränkte die Verwendung der gekauften Dateien auf den eigenen Account und auf die Übertragung des Apple iPod. Erst im Januar 2009 kündigte Apple an, dass das DRM von 80% der Dateien entfernt würde.
Schleierhaft ist, warum es keinerlei Bemühungen seitens der Industrie gibt, mit den klugen Köpfen auf “Piratenseite” in den Dialog zu treten und gemeinsam Konzepte für legale Lösungen zu schaffen. Würde man beispielsweise ein ähnliches System wie Suisa, GEMA oder GEZ mit solchen Portalen aufsetzen und damit gegen eine Gebühr die anteilsmässig an die Rechteinhaber verteilt würde, hätte man die Plattform, die Technologie – und vor allem eine riesen Nutzergemeinde. Denn auch wenn nur ein Drittel der 22 Mio Pirate Bay Nutzer für sagen wir schlappe 30 USD im Jahr mitmachen würden, könnte man 220 Mio USD vom Milliardenschaden abziehen. Ein sinnvoller und lukrativer Anfang.
Je mehr Antipathien die Industrie bei den Usern durch Ihre Rechtsstreitereien auf sich zieht, statt Geld und Zeit in komfortable, legale Angebote zu inverstieren, desto weniger Akzeptanz wird es geben. Auch wenn “The Pirate Bay” morgen offline geht (trotz Urteil ist sie immer noch online), wird die Karawane einfach weiterziehen, zum nächsten illegalen Portal. Wie ist Eure Meinung? Kennt Ihr positive Beispiele neben iTunes?





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