Mrz 11

Kaum klingelt der Wecker, werfe ich einen kurzen Blick auf Facebook. Es könnte über Nacht ja etwas Spannendes passiert sein. Auf dem Weg zur Arbeit checke ich alle zwei Minuten meine Mails, ohne die Augen von Twitter zu lassen. So zieht sich das den ganzen Tag durch, bis abends spät kurz vor dem Einschlafen noch ein letzter Tweet in die Nacht hinausgeht.

Kommt dir das bekannt vor? Fakt ist: Wir konsumieren zu viele Informationen aus zu vielen verschiedenen Medien. Überall sind sie, diese bösen Informationen – und wollen verarbeitet werden. Kann man von zu viel Medienkonsum geistig dick werden?

Erst wenn einem alles über den Kopf wächst oder die Waage zu viel anzeigt, unternimmt man etwas. Meist radikal. Doch die Abstinenz für einen bestimmten Zeitraum bringt auf die Dauer nichts. Zu schnell ist man wieder drin und kommt nicht mehr weg.

Mal kurz bei Twitter reinschauen – ist fast wie ein Riegel Schokolade zwischendurch. Beides dehnt sich nämlich aus. Noch viel schlimmer wird es dann, wenn man sagt: “So, ich surfe jetzt mal ein bisschen”. Denn wir wissen ganz genau, ein bisschen geht nicht. Meist hängt man dann eine Stunde fest. Ist wie mit einer Tüte Chips. Einmal angefangen, muss sie geleert werden.

Wer beruflich viel mit dem Web zu tun hat, muss sich in beiden Welten, der digitalen und der realen, behaupten. Der Tag hat nur 24 Stunden. Verbringt man einen grossen Teil dieser Stunden online, bleibt am Ende keine Zeit mehr für einen selbst.

Wenn man zu schwer wird, sollte man weniger essen und sich sportlich betätigen – doch wenn die Zeit für das reale Leben aufgrund von Online-Aktivitäten zu knapp wird, muss man dafür sorgen, den Social Media Konsum zu optimieren.

Ich behaupte: Mit einem Diätplan kann man sein Essverhalten kontrollieren – mit einem Nutzungsplan kann man den Social Media Überkonsum in den Griff bekommen.

Doch wie könnte so ein Social Media Diät-Plan aussehen?

Ist es zwischendurch nicht einmal schön zu wissen, dass iPhone und Computer ausgeschaltet sind und man sich einfach den schönen Dingen in der echten Welt widmen kann?

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Mrz 10

Opel Action Star - Social MediaOpel steckt tief in der Krise, viele Fehlentscheidungen kippen die ehemals profitable deutsche Marke. Da macht das Marketing keine Ausnahme und liefert einen tragikomischen Versuch im Social Media Marketing. Doch die Marke Opel hat noch ein viel grösseres Problem.

Und Action
Die Fanfoto Nummer, schielend auf den viralen Effekt der Freunde Einladerei hat auch die Agentur für Opel hier wieder aufgegriffen. Im Vergleich zu dem Rohrkrepierer Bacardi haben sie wenigstens die Einstiegshürde so tief wie möglich gehalten. Foto hoch und allen Bescheid sagen zum Voten. Allerdings stapeln sie auch bei den Preisen extrem tief. Platz 1 darf mit allen Freunden einen Kinoabend allein im Saal verbringen, Platz 2 – 50 bekommt 2 Kinogutscheine im Lichtspielhaus seiner Wahl.  Je nun, Opel hat kein Geld – wer kann es ihnen verübeln. Allerdings rückt doch hier der Produktnutzen komplett aus dem Focus – sofern es denn einen gibt…

Daher scheint auch die Community das Thema nicht besonders ernst zu nehmen, wie man an den Fotos der Beteiligten sieht.

Man darf gespannt sein, welches Dolly Buster Double mit ihrer Freizügigkeit vor der Linse das grosse Rennen macht. Aber auch hier hat die betreuende Agentur die Reissleine in der Hand: Der Platz 1 wir nämlich nicht von der Community, sondern von einer Jury bestimmt. Muss ja vermarktbar sein, der Gewinner. Das Action Star Gesicht für den neuen Opel Astra. Denn immerhin können “Die Daten des Teilnehmers können von GM Suisse für eigene Werbezwecke verwendet werden.” wie es in den AGB heisst.

Fan Potential vergammelt ungenutzt
Erstaunlich, dass man solche Kampagnen nicht um die echten Opel Fans baut und versucht, die vom neuen Astra zu überzeugen.  Auch wenn es unglaublich klingt, es gibt sie wie die Facebook Seiten beweisen:


Wie viel Erfolg versprechender wäre es, da anzusetzen, wo die Marke Opel noch geschätzt wird. Lasst die Gewinner ne Woche Probefahrt machen und konzentriert Euch auf die Zielgruppe die Eure Marke noch gut findet. Denn hier liegt ein viel grösseres Problem begraben.

Markenbekanntheit ist nicht gleich Markenwert
Das  erklärt auch Markus Voeth, Marketing Professor an der Uni Hohenheim. Jeder kennt Opel, aber keiner will einen kaufen. Die Marke sei so sehr mit Schwächen aufgeladen, dass sie nicht mehr zu retten sei. “Vergesst Opel!” – hier kann nur noch ein Neuanfang helfen. Man kann hier gar nicht mehr unter gleichem Namen glaubwürdig verkaufen, dass sich etwas grandios zum besseren geändert hat. Die verzweifelte Rettung einer Marke die nicht zu retten ist, zeigt sich auch in Aktionen wie der o.a. Kampagne. Einfach noch mehr Geld sinnlos verpuffen lassen.

Ist ein Kinogutschein eine echte Verlockung sich als Aushängeschild einer verrufenen Marke zu präsentieren? Und wer von Euch würde sich einen Opel kaufen?

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Mrz 05

Das Internet ist eines der beliebtesten Kommunikationsmittel. So viel steht fest.  Dementsprechend dürfte es die Sprache und deren Entwicklung gehörig beeinflussen. Teil 2 zum Erklärungsversuch. 

Im ersten Teil des Blogposts «Weblish oder lieber Techno-Babble» von letzter Woche wurde klar: Die Sprache im Internet weicht von konventionellen aus der Sprachwendung bekannten Regeln ab – vor allem in Chats und sozialen Netzwerken. Abkürzungen, Inflektive und konzeptionelle Mündlichkeit gehören zum Internetalltag. Und beeinflussen somit direkt den Wandel einer Sprache.

Komplexes Zeichensystem
Nebst dem eigenen, neuen Sprachverhalten sieht sich der User im Internet aber auch mit einer vollkommen neuen Organisation von Sprache konfrontiert: Hypertextualität, Bilder. Logos, grafische Elemente – kombiniert mit einer gut durchorganisierten Mischung und Anordnung von Sätzen. Ein komplexes Zeichensystem also. Dem Benutzer bleibt folglich nichts anderes übrig, als das – unter Lektüregesichtspunkten – semiotische Konstrukt zu entziffern. Und: der Internet-Nutzer spricht und handelt zugleich, in dem er seinen Rechner, seinerseits eine Kommunikationsmaschine, bedient.

Paratexte im Vordergrund
Wie bereits im letzten Blogpost festgestellt, sind nach alten Normen geschriebene Texte in sich geschlossen und linear. Nicht so im Internet. Oft handelt es sich hier nämlich um so genannte Paratexte. Also Satzfragmente, Textelemente oder Worte, die den eigentlichen Haupttext begleiten. Ein Paratext im bis anhin klassischen Sinn ist beispielsweise das Titelblatt oder das Vorwort eines Buches. Im Internet ist es nun so, dass sich das Verhältnis von Text und Paratext stetig verändert und sich letzterer immer mehr in der Vordergrund drängt. Und auch dies nur als ein Element neben anderen komplexen Zeichengebilden.
Was weiter zur Abweichung sprachlicher Normen führt: eine typische Internetseite ist meist nicht kohärent. Das bedeutet, sie kann nicht aus sicher heraus verstanden werden und verweist auf anderes. Hier wollen also ganz immer wieder ganz neue Lektüreregeln gelernt werden.

Die Grenzen verschwimmen
Auch wenn zum heutigen Zeitpunkt noch unklar ist, in welche Richtung sich die Sprache entwickeln wird. Eines steht fest: das Internet mit all seinen Ausprägungen wird sicherlich seinen Teil an Einfluss dazu tun. Die Grenze zwischen der Fixierung schriftlicher Sprache und gesprochener Sprache – verstärkt durch visuelle und orale Aspekte – könnte künftig immer mehr verwischen. Warten wir also mal ab.

 Und was denkt Ihr, wie wird das Internet in Zukunft die Entwicklung der Sprache prägen und verändern?

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Mrz 03

zopa_logoEs erscheint auf den ersten Blick als wolle man Pferde zum eierlegen verdonnern, wenn man ein ultrakonservatives Business mit dem Medium der jungen Wilden zusammenführen möchte. Dennoch verzeichnen die Pioniere der Branche im Social Media erstaunliche Erfolge.

Wells Fargo & Co ist die erste Bank, die die ganze Palette des neuen Dialogs zum Einsatz brachte. 2006 waren sie die erste Bank mit einem Blog. Danach folgte der Studenten Kredit und Business Banking Blog, die erste Bank in Second Life, erste Bank auf MySpace – aber am beeindruckendsten: Die erste Bank die die Position des Vice President Social Media besetzte.

Während allerdings MySpace, Facebook & Co auf den Massenmarkt setzen und alle Interressengebiete unter einem Dach vereinen, haben Banken die Nischenportale für sich entdeckt. Sie agieren auf Seiten wie Finextra oder OpenForum – und das aus gleich zwei guten Gründen.

1. Die Soziale Komponente des Geldverleihens
Portale wie Zopa, Prosper und Smava bieten auf eine internationale Plattform, auf denen von Privat zu PrivatGeld geliehen und verliehen werden, mit natürlich ganz anderen Konditionen zugunsten der Kreditnehmer. Unbürokratisch, schnell und vor allem menschlich gehts hier zu – fernab des Bankengehabes. Da entstand schnell ein Business, dass den Finanzdienstleistern durchs Netz ging.

2. Überraschende Ergebnisse in der Kundenbindung
Die folgenden Zahlen trugen Joe Cothrel, VP Marktforschung bei Participate und Community Guru Bill Johnston zusammen (aus eine Reihe von offiziellen Studien):

> Community users remain customers 50% longer than non-community users. (AT&T, 2002)
> 43% of support forums visits are in lieu of opening up a support case. (Cisco, 2004)
> Community users spend 54% more than non-community users. (EBay, 2006)
> In customer support, live interaction costs 87% more per transaction on average than forums and
other Web self-service options. (ASP, 2002)
> Cost per interaction in customer support averages $12 via the contact center versus $0.25 via
self-service options. (Forrester, 2006)
> Community users visit nine times more often than non-community users. (McKInsey, 2000)
> Community users have four times as many page views as non-community users. (McKinsey, 2000)
> 56% percent of online community members log in once a day or more. (Annenberg, 2007)
> Customers report good experiences in forums more than twice as often as they do via calls or mail.
(Jupiter, 2006)

> Community user bleiben 50% länger Kunden als nicht-community user
> 43% von Besuchen in Support Foren stehen in direktem Zusammenhang mit der Eröffnung einer  Supportanfragen
> Community Users geben 54% Geld beim Anbieter aus als nicht-community user
> Live Interaktionen zwischen Berater und Kunde kosten 12 USD,  webbasierte self-service Dienste pro Anfrage 0,25 USD
> Community user besuchen die Anbieterseite 9-mal öfter als nicht-community user
> Community user verursachen 4-mal mehr Pageviews
> 56%  der Community user loggen sich einmal oder mehr auf den Seiten ein

> Kunden geben doppelt so viel Lob und gutes Feedback online von sich als am Telefon oder schriftlich (Post oder email)

Auch wenn es hier um den Bankensektor geht, die Zahlen sprechen Bände. So langsam zeigen die Studien endlich, dass man den ROI Faktor vom Community Management bis zum harten Franken nachvollziehen kann. In jeder Branche.

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Feb 26

SpracheViele Studien belegen: die Kommunikation via E-Mail, SMS oder über soziale Netzwerke ist beliebter als das persönliche Gespräch – vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Doch wie beeinflusst das Internet die Sprache, deren Wandel und Gebrauch tatsächlich? Ein Erklärungsversuch.

«Das Internet lässt die Sprache verkümmern». Diese These würden wohl viele Linguisten ohne zu zögern unterschreiben. Ihre Argumente: per SMS wird bestenfalls noch in Satzfragmenten kommuniziert. In Chats trifft der Leser mehr auf so genannte «Inflektive» – *knuddel*, *dich liebhab* – als auf vollständige Satzkonstruktionen. Ganz zu schweigen von den Emoticons.

Es gibt jedoch auch Sprachwissenschaftler, die die sprachlichen Entwicklungen unter dem Einfluss des Internets mit weniger Argwohn betrachten. Denn eines ist klar: Sprachwandel gehört zum Wesen einer lebendigen Sprache.

Internet: Konventionelle Regeln ohne Bedeutung

In unserem Alltag sind Gespräche auf eine bestimmte Art und Weise organisiert. Es existieren Regeln, die die meisten Menschen mehr oder weniger intuitiv beherrschen: Wer eröffnet ein Gespräch, wie verläuft dieses, wer hat das Rederecht, wann erfolgt ein Sprecherwechsel.

Auch geschriebene Texte folgen – meistens jedenfalls – klaren Regeln. Sie bestehen aus ganzen Sätzen. Sind in sich geschlossen. Wohlgeordnet. Linear. Meist mit einem Anfang, einem Hauptteil und einem Schluss.

Und nun das Internet: Alle aus der Sprachwendung bekannten Regeln verlieren hier ihre Geltung. Und zwar uneingeschränkt. Die Frage ist nun: entsteht hier gar eine eigene Sprachform? Und wie soll diese heissen? Wie so oft im Netz zu lesen: Weblish, Netspeak oder Techno-Babble?

Neue Sprachelemente

Natürlich ist das Internet auch voll von höchst konventionellen und klassischen Textformen. Aber eben nicht in sozialen Netzwerken, Chats oder Newsgroups. Hier kommen absolut neue Sprach-Elemente hinzu. Dominiert wird diese Art der Kommunikation vor allem von der so genannten konzeptionellen Mündlichkeit. Der Schreiber mimt die gesprochene Sprache. «Hoi du, lass’ uns ins Kino gehn’». Hier wird «hallo» durch «hoi», «in das» durch «ins» oder «gehen» durch «gehn‘» ersetzt. Und genau hier findet der Sprachwandel statt.

Oft dominieren die neuen Elemente die hergebrachten sprachlichen Regeln. Oder sie ersetzen, durchdringen oder entwerten sie gar. Auch Abkürzungen wie «lol» (laughing out loud) oder «btw» (by the way) gehören zum täglich Sprachgebrauch der User. Insgesamt geht es bei der konzeptionellen Mündlichkeit oder beim Gebrauch der bereits erwähnten Inflektive darum, Nähe zwischen den beiden «Gesprächspartner» zu schaffen. Und die fehlt im Netz bekanntlich ganz und gar.

Sprache als Zeichensystem

Doch der Sprachwandel wird natürlich nicht nur durch die Sprache und deren Gebrauch in sozialen Netzwerken statt. Denn die Sprache und deren Nutzung wird ebenso durch die Hypertextualität sowie durch eine gut durchorganisierte Mischung und Anordnung von Sätzen, Bildern, Logos und weiteren grafischen Elementen des Internets geprägt. Daher ist es wohl dringend nötig, die Sprache künftig nicht mehr nur als Schrift, sondern eben als komplexes Zeichensystem zu verstehen. Doch davon mehr im nächsten Blogpost von kommendem Freitag, 4. März 2010.

Und was denkt ihr? Führt das Internet und seine Sprache zum Verderbnis derselben? Oder ist es viel eher eine Bereicherung für die Sprache und ihre Entwicklung?

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Feb 24

social media - alles zu schnell?Das wir in einer Zeit der Reizüberflutung und immer schneller werdenden Informationskanälen stehen ist wohl für niemanden eine Überraschung. Wer allerdings wie wir Online Marketer ständig den Finger am Puls der Zeit haben muss, der fragt sich schon ob das Tempo noch zu halten ist, in dem neue Ideen und Kanäle aus dem Boden schiessen – und oft genauso schnell wieder verschwinden. Zwei Beispiele:

Zunächst jedoch sei gesagt, es besteht kein Grund zur Panik. Nur weil viele Unternehmer und Marketingleiter nicht so richtig wissen wie sie mit dem Thema Social Media in der Unternehmenskommunikation umgehen sollen, muss man sich keine Sorgen machen, dass das Thema eine reine Blase ist und wieder verschwunden, sobald man grosse Summen des Werbe Etats dort versenkt hat. Kanäle wie Facebook, Youtube, Twitter laufen schon seit Jahren stabil. Und sie werden auch nicht über Nacht abgelöst. Doch bei neuen Ideen sollte man Unterscheidungsvermögen an den Tag legen.


gowalla

Kaum ein halbes ist es her, da sorgte die iPhone App Gowalla für Furore in der Szene. Mittels GPS Signal kann die Applikation den persönlichen Standort ermitteln und zeigt entweder von anderen Nutzern erstellte Ortsmarkierungen an oder man hat die Möglichkeit selber einen Landmarke zu erstellen. Markiert wird so ziemlich alles. Von Sehenswürdigkeiten über Bahnhöfe, Firmenadressen und der eigenen Wohnung. Ist ein Ort erstellt, kann man immer wieder einchecken, sobald man in direkter Nähe ist. Und in kürzester Zeit waren alle Geeks dabei, zu Stosszeiten bekam ich im Minutentakt Nachrichten wer gerade wo eingechekt hat. Doch so schnell wie es kam, wurden die Nutzer auch schon wieder gelangweilt. Ein klassisches Beispiel dafür wie schnell dieser Prozess ablaufen kann, bevor die grosse Masse der normalen Internetnutzer überhaupt bemerkt hat, dass es Gowalla überhaupt gibt. R.I.P.

google_wave
Dieses Schicksal ereilt nicht nur kleine Start Ups, denen es an ausreichend Budget für langem Atem und grosse Werbekampagnen fehlt. Google Wave, das so verstandene Cockpit für alle etablierte Kommunikation im Web (Chat, Mail, Datenaustausch, in die sich alle einklinken können), wurde von Google in einem Stundenvortrag vor dem Launch lauthals beworben. Das an sich ist schon erstaunlich, denn Google entwickelt normalerweise im dunklen Kämmerlein und stellt neue Anwendungen ohne Mitteilungen einfach bereit. Wird schon einer finden.
Zunächst verteilte Google nur einige tausend Zugangscodes zur Betaversion – und wer über Twitter ein Ticket in die Welle anbot wurde heiss umworben. Alle wollte endlich sehen was Google hier versprochen hatte. Jedoch kämpfte das System – ebenfalls ungewöhnlich für Google – mit vielen Systemfehler, war extrem langsam, viele Features waren nur als funktionslose Buttons integriert und ein paar tausend User reichten nicht aus um eine Welle zu erzeugen. Es blieb bei ein paar Wasserring als hätte man einen kleinen Kiesel in einem trüben Tümpel geworfen. Wer heute twitter, er hätte noch einen Zugang für die Wave, der erntet nur noch gähnen. R.I.P.

Ob Wave nun tatsächlich den Grabstein von Google auf den Kopf gestellt bekommt, oder sich nochmals wie Phoenix aus der Asche erhebt bleibt abzuwarten. Denn der Grundgedanke ist gut, aber es braucht noch viel Nachbesserung.
Auch wenn wir uns täglich mit der Materia beschäftigen, es bleibt eine echte Herausforderung zu entscheiden, in welchen neuen Hype man seine Zeit und Energie investiert, in Zeiten in denen Top und Flop so eng beieinanderliegen.

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Feb 19

hundfacebookDie jüngsten Entwicklungen zeigen: Soziale Medien sind nicht mehr länger nur ein Privileg des modernen Menschen. Auf Facebook, Twitter und Xing folgen nun Dogbook, Catster und Petster.

Lillika, Kitzekatze und Fluffytiger sind die besten Freunde. Virtuelle Freunde. Haarige Freunde. Und: Sie sind gehören zu den Top-Usern des Monats Februar. Ob Katze, Hund Meerschweinchen, Hamster oder Pferd – Soziale Netzwerke und Kontaktbörsen für Tiere sind der neue Renner unter den Netzwerkportalen.

Jedem Tier sein eigenes Profil
Wer «den besten Freund des Menschen» vernetzen will, dem sind so gut wie keine Grenzen gesetzt. Denn das Angebot an animalischen Social Networks ist gross. Tendenz steigend.  Erst in den Staaten etabliert, schwappte der neue Trend über den grossen Teich. Mit Erfolg: DoggySpace, MyCatSpace, Catster, Dogster, Petster und zu guter Letzt auch Dogbook und Catbook – als kostenlose Erweiterungen von Facebook – sind längst auch in Europa bekannt. Und beliebt.
Auf Dogbook beispielsweise kann jeder Hund seine eigene ganz persönliche Profilseite im Social Network bekommen. Ein individueller Steckbrief mit dem Geburtstag sowie den Vorlieben und Eigenschaften des Hündchens gehören ebenso dazu wie der eigene Fotoordner oder Videos. Zusätzlich erlauben spezielle Suchfunktionen, dass Besitzer einer bestimmten Rasse oder Hundebesitzer der gleichen Stadt bequem und einfach zu einander finden. Dogbook kann aber auch von unterwegs genutzt werden: Für iPhones und andere Smartphones gibt es hierfür spezielle Anwendungen.

Verzweifelte Suche nach Anschluss?
Das Potential der digitalen Tierfreundschaften ist wohl noch nicht einmal im Ansatz ausgenutzt. Doch warum vernetzen Tierbesitzer ihre Lieblinge und wie weit soll die Vernetzung noch gehen? Böse Zungen könnten behaupten, bei der Vernetzung des eigenen Haustieres könnte es sich eventuell um einen verzweifelten Versuch auf der Suche nach sozialem Anschluss und Kontakten handeln. Und somit um eine Instrumentalisierung des domestizierten 4-Beiners.
Eine etwas gemässigtere Sichtweise wäre wohl, dass es sich vielleicht einfach nur um eine weitere Ausprägung von Vernetzung handelt – und dem einen oder anderen Tierbesitzer einfach nur Spass bringt. Wie lange es aber noch geht, bis reale 4-Beiner tatsächlich  in der virtuellen angekommen ist, wird sich zeigen.

Und wie sieht es bei Euch aus? Habt ihr Eure tierischen Hausgenossen bereits sozial vernetzt? Oder was haltet Ihr von denjenigen Leuten, die Ihren Tieren in sozialen Netzwerken ein Profil erstellen?

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Feb 17

fischamhakenDas der Wurm dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler ist ein alter Bart im Marketing. Heutzutage ist die Fische fragen dank Social Media Portalen einfacher denn je. Und man kann auch gleich die Fische die Entscheidungen treffen lassen, welchen Wurm man an den Haken hängen soll.

So macht es zum Beispiel ganz vorbildlich das Schweizer Start-up Unternehmen myswisschocolate. Bis dato gibt es nur den Blog, denn das Unternehmen ist noch gar nicht operativ tätig. Was es anbieten wird, ist personalisierte Schokolade aus selbst zusammengestellten Zutaten.
Nun sind derlei personalisierte, individuell zusammengestellte Produkte natürlich nicht die Neuerfindung des Rades. Weithin bekannt ist beispielsweise der Shop NikeID für solche Services. Doch myswisschocolate setzt noch viel früher an.

Welchen Logoentwurf sollen wir nehmen, fragt man die Zielgruppe und lässt diese entscheiden. Verpackungsdesign?Sagt ihr uns doch wie ihr es am schönsten findet. Welche Toppings wünscht ihr euch auf der Schokolade – damit wir beim ersten Einkauf gleich keine Fehlbestellungen machen, die dann im Regal vergammeln.

Erinnert mal wieder sehr an das schon übererfolgreiche Modell der Superstar Shows: Sagt uns doch bitte vorab was ihr morgen als CD und bei iTunes kaufen wollt, damit wir keine Flops mehr produzieren und Geld in den Sand setzen.

Schlau ist das Konzept und die Resonanz ist schon vor Produktionsstart riesig. Weiter so Jungs von swisschocolate, ihr werdet so das Unternehmen zum Erfolg bringen. Und die Zielgruppe freut sich auch, weil man auf ihre Wünsche gleich von vornherein eingeht.

Natürlich ist es für ein Start-up viel leichter den Fisch zu fragen als für ein bestehendes Unternehmen mit eingeführter Produktpalette. Aber es ist ja auch immer Zeit für neue Produktlancierungen – und da hat man dann wieder die grosse Chance.

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Feb 15

tvnoirHeisse Tunes, Videos und Social Media: Die Mischung aus diesen drei Elementen hat die Web-TV Sendung “TV Noir” zum Erfolg gemacht. Aber bei TV Noir wird Social Media nicht nur zum Aufbau der Marke eingesetzt. Das Publikum soll via Facebook und Twitter selbst eine Konzert-Tour organisieren.

5000 Videos werden auf TV Noir täglich angeschaut – ein grosser Erfolg für eine monatliche Musik-Web-TV-Sendung. Im “Wohnzimmer der Künstler und Songwriter” erzählen bekannte und nocht nicht so bekannte Musiker von ihrem Sound und spielen live Songs ein.

Tex Drieschner ist Gastgeber, Moderator, Gründer und Anchorman von TV Noir. Sein Konzept gründet auf drei Pfeilern: Liveshow, Blog und Web-Fernsehen. TV Noir findet jeden ersten Sonntag im Monat live in Berlin-Neukölln statt. Nach jeder Show werden Mitschnitte von Songs und Talk-Segmente auf Youtube veröffentlicht. Die komplette Show gibt es jeweils auf Vimeo.

Geld verdient das 11-köpfige Team mit der Websendung allerdings noch nicht. Überlegungen dazu gibt es zwar, aber das Risiko, User durch Paid-Content zu verlieren, hindert sie daran. Bezahlinhalte können eben nur funktionieren, wenn sie das kostenlose Grundangebot sinnvoll ergänzen.

Dem Macher ist derzeit aber eh wichtiger, seine eigene Marke “TV Noir” weiter aufzubauen. Und dafür nutzt er Social Media. Drischner ist sich sicher: Soziale Netzwerke funktionieren wie Verlängerungen von normalen menschlichen Verhaltensweisen. “Du machst zunächst mit einem ganz kleinen Kreis von deinen Freunden das, was du auch machen würdest, wenn sie neben dir sässen”, meint er gegenüber Welt.de.

Social Media spielt auch bei Drieschners kommendem Projekt eine Rolle. Er will nämlich als als Songwriter auf Tour durch Städte gehen und dabei Acoustic-Konzerte im kleinen Rahmen spielen – begleitet von den TV-Noir-Kameras. Wo diese Konzerte stattfinden, wird das Publikum mitbestimmen – über Facebook und Twitter.

Ich bin kürzlich auf diese Web-TV-Sendung gestossen und muss sagen: Bravo, grossartiges Konzept! Gute Musik und Social Media sind zwei, die sich mögen. Auch sehr sympathisch finde ich, dass die Macher damit nicht sofort Geld verdienen wollen. Der Erfolg kommt nämlich von selbst, wenn man erst Herzblut investiert und daran glaubt. Und Anerkennung ist den Musikern eh wichtiger.

Kennt ihr weitere solch tolle Projekte?

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Feb 12

hörsaalIhr Wachstum ist rasant. Ihre Bedeutung nimmt ständig zu. Und ihre Nutzer verbreiten sich wahrscheinlich schneller als die Schweinegrippe. Soziale Netzwerke boomen. Und: in England können sich seit vergangenem Herbst Studierende gar einen Master für soziale Medien holen.

Facebook. Twitter. StudiVZ. Soziale Netzwerke sind beliebt. Und der Vernetzungswahn nimmt kein Ende. Denn: innerhalb des letzten Jahres hat sich beispielsweise die Zahl der Facebook-Mitglieder verzehnfacht. Und so sind die sozialen Netzwerke längst integrativer Bestandteil der individuellen Kommunikationswelt eines jeden geworden. Zumindest von denjenigen, die regelmässig online sind.
Auf diesen exorbitanten Boom hat nun auch die Wissenschaft reagiert. Als eine der ersten bietet die Universität von Birmingham nun einen Studiengang für Soziale Netzwerke an. Ausgezeichnet werden die Studis nach erfolgreichem Abschluss mit einem «Master of Arts in Social Media».

Am Anfang nur belächelt
Ganz einfach hatten es die Initianten des zukunftsweisenden Studiengangs zu Beginn aber nicht. Bereits vor der Lancierung meldeten sich viele kritische Stimmen zu Wort – vor allem von Studierenden anderer Fachgebiete. Sie klassifizierten das Studium gar als «Verschwendung von akademischen Ressourcen». Denn schliesslich könnten die meisten User das Facebook auch ohne Studium bedienen. Zwischenzeitlich sind wohl auch diese Kritiker verstummt. Denn die grosse Nachfrage nach dieser Ausbildung gibt den Machern Recht.

Wissenschaftliche Fragen zur virtuellen Welt im realen Alltag
Denn natürlich geht es in Birmingham künftig nicht in erster Linie um eine adäquate Bedienung sozialer Medien. Das wäre wohl zu einfach. Viel mehr geht es darum, Social Media und deren Entwicklung wissenschaftlich zu begleiten und zu hinterfragen: «Ist das Netz demokratischer als andere Medienformen»? «Haben Power-User mehr soziales Kapital als andere»? «Führt dies zu einer Hierarchie unter den Nutzern»? «Wie können diese neuen Vernetzungen auch ökonomisch genutzt werden»?
Ein weiteres Argument, warum es diese Ausbildung sicherlich braucht: Das Phänomen der Social Media wird die Kommunikation in Unternehmen vollkommen revolutionieren. Findet ein Unternehmen die richtige Vernetzung zu einer Zielgruppe, ist der Erfolg im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert. Denn der sozial vernetzte Verbraucher wird sich bei seinen Konsumentscheidungen künftig stärker auf seine Freunde im Netz verlassen als auf die konventionelle Werbung. Und an genau diesem Punkt kommen die Absolventen des neuen Studienganges in ihrem späteren Arbeitsfeld zum Einsatz. Alles andere als überflüssig also – diese künftigen MA of Social Media.

Und was glaubt ihr? Macht ein solcher Studiengang überhaupt Sinn oder ist er total überflüssig? Und wie werden die sozialen Medien künftig unsere Zukunft prägen?

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