Feb 03

farmvilleImmer wieder bekomme ich Anfragen von Freunden doch endlich bei Farmville, Mafia Wars und anderen Games auf Facebook mitzumachen. “Du brauchst gar nicht spielen, aber ich krieg Punkte wenn Du die Einladung annimmst”. Und dann nimmt das Unheil für viele seinen Lauf.

Denn oft werden die User, welche ob der vielen Bettelei weich werden, schnell mit dem Virus infiziert. Nur mal gucken was das denn für ein Game ist. Schon ist es um sie geschehen. So unverständlich es für die einen ist, so unverzichtbar ist es für die Aktiven.

Auf Farmville gibt es rund 65 Millionen Landwirte, ca. 26 Millionen davon füttern täglich bis zu 2 Stunden Kühe, zupfen Unkraut und killen die Maulwurfplage, die die Ernte zu vernichten droht. Doch woher kommt diese Begeisterung für das virtuelle Landleben oder den Aufstieg in die Elite der Mafia?

Die Freunde als Konkurrenz und der belohnte Fleiss
Allen Spielen gemein, ist der einfache Einstieg. Die ersten Aufgaben kann man schnell in der Kaffepause im Büro erledigen, doch das ist ebenso schnell vorbei. Immer schwieriger wird es das nächste Level zu erreichen und besser als der Nachbarsbauer unter seinen Freunden zu sein, so werden Stunden in zweistelliger Millionenhöhe online verbraten. Wer seine Games vernachlässigt kommt kein Stück weiter und durch die ständige Beschallung in den Statusmeldungen, dauernde Geschenke und Anfragen zur Aushilfe halten die Spieler gegenseitig bei der Stange. Eine moderne Version der alten Drückerkolonne, die der Oma immer wieder Abos angedreht hat. Der Umut bei den Genervten macht sich in Antigruppen bereits breit: “Schick mir noch eine Farmville Einladung und ich fackel deine Farm ab!!”

Viel schneller gehts mit Geld – echtem von der Kreditkarte
Natürlich kann man theoretisch die ganzen Spiele einfach mit Fleiss durchspielen, die Chance zum weltklasse Bauern oder Don Corleone zu werden ist aber ebenso gering wie zeitintensiv. Und die anderen ziehen davon, weil sie mit harter Währung dauernd tolle Sachen dazukaufen, wie Traktoren oder Maschinengewehre.
Farmville Cash pay for Credits with real money
So bekommt das Wort Cash Cow beim Hof bewirtschaften eine ganz neue Bedeutung. Auch wenn für viele unverständlich, das Konzept geht auf. Im Monat bezahlen mehr als eine Millionen Nutzer nur bei Farmville durchschnittlich 5 USD um sich tolle neue Sachen zu kaufen.  Das heisst für den Hersteller Zynga stattliche 60 Millionen USD – und Farmville ist nur eines von momentan 19 Spielen auf Facebook. Ausserdem lässt Zynga sich die Spiele noch per Werbung finanzieren und bietet Spiele ebenfalls auf Myspace, Yahoo, Friendster, Bebo, Tagged und dem iPhone an.

Milliardenmarkt und kein Ende abzusehen
Die ganze Branche zu denen auch Anbieter aus Europa gehören (z.B. Bigpoint in Deutschland)
machte 2009 einen geschätzten Umsatz von 1 Milliarde USD.

Warum bin ich eigentlich nicht auf die Idee gekommen?

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2 Pings zu “Farmville & Co – Facebook’s Drückerkolonnen 2.0”

  1. BigBirds BigBlog · I quit Farmville: Kuschliges World of Warcraft sagt:

    [...] aufgeführt, ist das eine Möglichkeit, Facebook zur Einnahmequelle zu machen und die Nutzer mehr und mehr an Farmville (und andere Spiele von Zynga) zu binden. Typische Charakteristika, die man eben auch von World of [...]

  2. Farmville: Abzocke auf dem Bauernhof - fuellhaas.com - Online Reputation Management, Personal Branding und Social Media sagt:

    [...] Thema Social Games und Farmville siehe auch Farmville & Co – Facebook’s Drückerkolonnen 2.0 (website-marketing.ch) Scamville: The Social Gaming Ecosystem Of Hell (TechCrunch) Spielen Sie auch gerne Social Games? [...]


8 Antworten zu “Farmville & Co – Facebook’s Drückerkolonnen 2.0”

  1. 1. adrian sagt:

    Die Games sind ja absolut nichts Neues. Es gab schon vor Facebook hunderte Browser-Spiele dieser Art.
    Was neu ist, ist der einfache Zugang. Nicht-Spieler bekommen einen simplen Einstieg via Facebook. Viele wussten gar nichts von solchen Spielen oder wussten sich nicht zu erkundigen.
    Zudem kommt die “Freund-Komponente” hinzu. Bei den bisherigen Browser-Games kannte man seine Mitspieler meist nicht, bzw. man lernte einige im Verlauf eines Spieles kennen, wenn man sich in der entsprechenden Community bewegt. Die Motivation ist bei Facebook eher höher, mehr zu machen.
    Da seh ich auch den Erfolg des AppStores: Einfache Spiele auf simple Weise verfügbar machen. Nicht-Gamer kaufen fleissig ein. Voilà, ein Kassenschlager. Btw. da seh ich im Moment eine der einzigen Chancen für das iPad.

  2. 2. Per sagt:

    Genau der letzte Satz ist der Wichtigste…
    “Warum bin ich eigentlich nicht auf die Idee gekommen?”

  3. 3. Tom sagt:

    “Warum bin ich eigentlich nicht auf die Idee gekommen?” ….es ist noch nicht zu spät.

    Eine gute Idee haben, Konzept verfassen und über eine Online Freelancer Plattform in Indien od. Russland umsetzen lassen. Man muss sich nicht selbst mit den Facebook Schnittstellen bzw. beim Webprogrammieren auskennen.

  4. 4. Dirk Worring-Ramstoeck sagt:

    @Per / Tom:
    eben, ähnlich wie zum Beispiel iBlower, die iPhone App, die nichts anderes macht als einen Ton zu erzeugen, der über seine Frequenz einen Luftstrom erzeugt mit dem man eine Kerze ausblasen kann. Dafür braucht man nichtmal 20 Zeilen Code zu tippen und eine Grafik. Kostenpunkt 1,10 CHF, war eine Zeit lang auf Platz 1 im App Store. So verdient man Geld….

  5. 5. Dennis sagt:

    @Dirk: Man könnte noch die Russen erwähnen, die für einen 3-stelligen Millionenbetrag bei Zynga eingestiegen sind. Wenn schon Leute über 100 Millionen Dollar in eine Firma investieren, muss das ja brummen ohne Ende.

    Das mit der iPhone App ging total an mir vorbei. Aber ist auch wirklich eine gute Idee.

    @Tom: Die meisten downloadbaren kostenlosen Online-Games werden in China, Korea etc. produziert. In Europa/USA sitzen dann nur die Publisher, die die Spiele vertreiben. Für Browsergames wäre mir das aber neu.

  6. 6. Thomas Hutter sagt:

    Kleine Anmerkung, es sind insgesamt rund 76 Mio Farmer (MAU gemäss alllfacebook.com), die täglich melken, Unkraut ausreissen, etc.
    Rund um die Monetarisierung von FarmVille habe ich letzthin eine Milchbuchrechnung gemacht, die noch höhere Zahlen hervorbringt:
    http://www.thomashutter.com/index.php/2009/10/facebook-wie-funktioniert-die-monitarisierung-von-facebook-applikationen-wie-farmville/

  7. 7. Sam sagt:

    “Warum bin ich eigentlich nicht auf die Idee gekommen?” …viele haben Ideen. Nur wenige sind es, die auch etwas *tun*!

  8. 8. Karsten Füllhaas sagt:

    Ich hab vor einer Woche mit Farmville angefangen, und spätestens wenn ein mal vergessen hat, die Erdbeeren rechtzeitig zu ernten und diese dann verfault sind, ist das finanzielle Debakel da – und der Griff zur Kreditkarte umso schneller gemacht. Mir käm es nie in den Sinn, in ein Spiel echtes Geld zu stecken. Die Gewinnmargen bei Farmville für die Spieler sind klein, wenn man geerntete Ware verkauft. Rasch vorwärts kommen tut man nicht. Die Gewinnmargen für die Spieleanbieter sind hingegegen gigantisch.

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