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EPOC: Computer lernen Gedanken lesen

EPOC nennt sich das Steuergerät, welches Neurowissenschaft mit Computertechnologie verbindet und es möglich macht, Gehirnsignale in Computerbefehle umzuwandeln. Die Idee ist vor rund 5 Jahren bei einem Abendessen entstanden. Tan Le, Mitbegründerin des High-Tech-Unternehmens Emotiv, ist überzeugt, den Anfang einer grossen Entwicklung geschaffen zu haben: „Die alte Fantasievorstellung, Gegenstände allein mit den Gedanken bewegen zu können, wird nun wahr”.

Was nach Science Fiction klingt, ist in San Francisco bereits Realität. Durch einen Kopfhörer mit tentakelähnlichen Sensoren werden die elektrischen Signale des Gehirns registriert und in Computerbefehle umgewandelt. Nach einem kurzen Training reicht ein einziger Gedanke, um ein Objekt auf dem Monitor zu drehen, in eine bestimmte Richtung zu bewegen oder verschwinden zu lassen. Auch Stimmungen und Gesichtsausdrücke kann das Gerät erkennen.

Erster Einsatz in der Game-Welt
Vorerst richtet sich EPOC an Videospieler, welche mit der neuen Technologie die Figuren am Bildschirm bewegen können. „Gamer sind die ersten, die sich für solch neue Technologien interessieren”, so Le. So soll noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ein futuristischer Helm in Kombination mit einem Videospiel in die Regale kommen, stolze $299.- wird der Spass kosten. Im Fantasie-Spiel verlangt ein asiatischer Meister seinen Schülern Übungen ab, bei denen sie mit ihren Gedanken beispielsweise einen Berg versetzten müssen.

Vielversprechender Einsatz in der Medizin
Doch Gamer sind bei weitem nicht die einzige Zielgruppe, der Einsatz ist in allen Gebieten denkbar, in denen sich Mensch und Computer begegnen. Beim Musikhören beispielsweise könnte EPOC die Lieder automatisch nach dem Geschmack des Hörers sortieren. Strafverfolgungsbehörden versprechen sich Aufschluss darüber, was in den Köpfen von Verdächtigen vorgeht. „EPOC kann als Lügendetektor eingesetzt werden. Wenn man erst einmal etwas gesehen hat, wird sich das Hirn daran erinnern”, so Le.
Besonders im medizinischen Bereich aber schürt man grosse Hoffnungen. So sollen beispielsweise Schlaganfall- oder Komapatienten schon in geraumer Zeit von einer neuen Möglichkeit der Kommunikation profitieren können.

Eine unheimliche Vorstellung
Eine Vielversprechende Technologie also, die noch in den Kinderschuhen steckt aber viel Potential in sich wägt. Dass sich die Wissenschaft mit Systemen beschäftigt, die Computersteuerungen via Gedankenkontrolle ermöglichen, ist nichts Neues. So gibt es schon seit einigen Jahren Cyborgs (Menschen mit technologischen Implantaten, die durch ihre Gehirnströme kommunizieren oder gewisse Dinge steuern). Dass jedoch bereits Ende dieses Jahres ein marktreifes Produkt an den Start geht, regt zum nachdenken an. Für mich persönlich eine unheimliche Vorstellung und bestimmt auch ein schmaler Grat zwischen Einsatzmöglichkeit und Datenschutz. Was meint Ihr? Wird sich der Emotiv EPOC (auch ausserhalb der Spiel-Welt) behaupten können und den Weg über den Ozean bis zu uns finden? Gemäss Le haben immerhin bereits über 500 Unternehmen an der neuen Technologie Interesse gezeigt.

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8 Kommentare

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  1. Alessandra | 6.08.2008 13:40

    @Elisabetta: Neuroelektrische Schnittstellen können in zwei Richtungen arbeiten: einerseits können sie die elektrische Aktivität von Nerven oder Gehirnbereichen erfassen, interpretieren und nutzen, um z.B. ein externes Gerät wie einen Computer-Cursor zu steuern (Stephen Hawking). Zum anderen können externe elektrische Signale angelegt werden, um bestimmte Nerven zu stimulieren. Das Prinzip besteht jeweils darin, durch willkürliche Anstrengung des Gehirns elektrische Hirnpotenziale zu generieren, welche mit geeigneten Sensoren aufgenommen und analysiert werden. Mit dem Ergebnis der Analyse kann dann eine externe Einrichtung gesteuert werden. Wie jedoch unser Hirn solche Manipulationen verkraftet, weiss ich nicht. Jedoch haben die Neurowissenschaften in den letzten Jahrzehnten grosse Fortschritte in Bezug auf das Verständnis der Funktionsweise unseres Gehirns gemacht.

    Ich denke, neue Gehirn/Computer-Schnittstellen können und werden die Autonomie des Menschen erhöhen oder zumindest seine Wahlmöglichkeiten hinsichtlich eines guten Lebens deutlich vergrössern. Die technische Unterstützung von Hirnfunktionen legt meiner Meinung nach allerdings durchaus mögliche Missbrauchsszenarien nahe. Man denke an die Möglichkeiten externer Kontrolle und Überwachung oder an eine technische Beeinflussung von Gefühlen wie auch an die Ermöglichung “künstlicher” Gefühle. Neue Möglichkeiten der Spionage und der Ausspähung durch Sicherheitsbehörden oder einen Überwachungsstaat scheinen zwar fern, wären aber vorstellbar. Für mich stellt sich also einmal mehr die Fragen des Datenschutzes. Denn den erwarteten Vorteilen stehen wie immer zu recht Befürchtungen von Missbrauch, Risiken oder anderen unerwünschten Entwicklungen entgegen. Wird eine neue Technik erfunden, genehmigt man diese zuerst nur unter ganz bestimmten Auflagen. Diese werden dann aber im Laufe der Zeit immer wässriger, bis die Technik eines Tages völlig normal ist. Für mich beginnt die Gefahr dort, wo der Mensch regelrecht gezwungen wird, sich seiner Umgebung anzupassen. Sei es nun das “Eintauchen” in die Welt des Internets, das Benutzen virtueller Welten, das Tragen von technischen Errungenschaften oder das Einsetzen von Implantaten. Sinn des Ganzen scheint die Vervollkommnung des Menschen und eine Verbesserung der Lebensqualität zu sein. Schade nur, dass noch nicht einmal die Hälfte der Weltbevölkerung von solch modernen Technologien provitieren kann.

  2. John | 1.08.2008 10:21

    Das ist in der Tat ein schmaler Grat wo man sich mit EPOC bewegt. Und wie immer bei solch neunen Sachen fehlen klare Regelungen und Richtlinien. Klar bietet das System viel Spielraum für Missbrauch, doch es gibt auch viele sehr sinnvolle Anwendungsbereiche. Meine Meinung: Abwarten, Tee trinken und schauen wie sich EPOC entwickelt.

  3. Herr Hunkeler | 31.07.2008 23:02

    Ich würde da den Teufel noch nicht zu sehr an die Wand malen. Als Nichtneurologe schätze ich mal, dass es zwei verschiedene Paar Schuhe sind, ob Gedanken die ich gerade habe, ausgelesen werden oder ob Erinnererungen wieder “hervorgeholt” werden. Das mit dem Lügendetektor wird also nicht so schnell funktionieren, oder, dann so wie bisher, dass irgendwelche Stresssymptome ausgewertet werden.
    Es wird ja auch so sein, dass man es merkt, wenn einem das Hirn angezapft wird. Mit dem WLan im McDonalds wird das kaum funktionierien.
    Ich finde solche Ideen auch ein wenig beängstigend, es liegt aber an den Menschen, wie weit sie sich darauf einlassen.

  4. Hugo | 31.07.2008 16:39

    Faszinieren kann ich da nur sagen!
    Die Evolution nimmt ihren Lauf ob uns das gefällt oder nicht. Auf hier wird es Regulations und Gesetzte geben, die gegen einen Missbrauch ankämpfen.
    Ich bin als Gamer jedenfalls auf das Headset gespannt, allerdings noch nicht so sicher ob das auch funktioniert.

  5. Elisabetta | 31.07.2008 16:45

    @Andri, oder einen Norton oder McAfee ;-) ist dies eigentlich dieselbe Technik die auch Stephen Hawking zum reden bringt? Sein Sprachcomputer steuert er durch seinen rechten Wangenknochen…aber reicht dies um dann ein klares Signal an den Sprachcomputer zu senden damit dieser eine (fast) perfekte Sprachwiedergabe liefert?? http://www.hawking.org.uk/text/disable/disable.html

  6. Andri | 31.07.2008 15:41

    Irgendwie ist es schon cool, dass dies jetzt wirklich möglich ist.

    Aber ich habe das Gefühl, das die Schattenseite dieser neuen Technik riesig ist. Wenn das mal wirklich ausgereift ist, ist es sowieso nicht mehr möglich zu kontrollieren Wer in unserem Hirn “surft”. Es braucht dann ja bestimmt au keine Helme mehr. So könnte man nicht mehr kontrollieren -man würde es wahrscheinlich nicht einmal merken- dass jemand auf meine Gedanken zu greift.

    Also wenn sich diese Technik durchsetzt und verbreitet, dann will ich auch eine Firewall in meinem Hirn!

  7. Elisabetta | 31.07.2008 12:10

    @René, finde ich auch. Sobald nur im Geringsten einen Eingriff in meine Privatsphäre erfolgt, geht es für mich zu weit.
    Kann mir gut vorstellen, dass diese “neue” Technologie einbisschen Unterschätzt wird, vorallem wenn es in den Fachhandel kommt. Da wird wohl der eine oder andere Gamer eine zeitaufwendiges Training absolvieren, bis er im Stande ist mit EPOC anständig zu spielen. Mich würde interessieren wie es gesundheitlich aussieht, ob durch den ganzen Prozess der Gehirnstrom-Umwandlung längerfristig nicht eine Schädigung des Hirn hervorgerufen wird. – Nun gut, Zeit bringt Rat :-D

  8. René | 31.07.2008 08:42

    Diese neue Technik hat bestimmt viel Potenzial. Wie bereits geschrieben, werden zuerst die Gamer die Technologie nützen.
    Banal ausgedrückt ist diese Technologie einfach ein weiteres Eingabe Gerät für den Computer. Für Leute die nicht mehr sprechen und schreiben können ist das sicher genial und ihn da sehe ich auch sehr gute Einsatzgebiete. Auch im Kriminalbereich gibt es bestimmt gute Anwendungsbereiche.

    Solang ich bestimmen kann wer und wann die Technik einsetzt, sehe ich keine Probleme beim Datenschutz. Wenn ich aber vor dem Besteigen eines Flugzeuges einen Helm aufgesetzt bekomme der meine Gedanken lesen soll, ob ich ein Terrorist bin oder sonst irgend etwas vor habe, dann geht es für mich zu weit und der Datenschutz ist nicht mehr gewährleistet.

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